Über mich

Ich bin 1980 als Junge geboren worden.

Schon im Alter von 3-4 fühlte ich, dass irgendwie etwas nicht stimmt. Ich vertrug mich nicht sehr gut mit Jungs und wollte lieber mit den Mädchen spielen, fühlte mich diesen eher zugehörig. In kindlichen Rollenspielen (Vater-Mutter-Kind, etc.) wollte ich immer eine weibliche Rolle übernehmen.

Doch ich erfuhr schnell Ablehnung und Gelächter und lernte intuitiv diese Bedürfnisse zu verbergen. Meine Wünsche an „die gute Fee“ und ähnliches wurden nicht erfüllt. Ich musste mit dem leben was ich war, egal wie sehr ich mir wünschte als Mädchen geboren zu sein.

Ich wuchs geliebt und behütet auf und kann mich über mein Elternhaus und meine Kindheit eigentlich in keiner Form beschweren. Ich hätte auch mit Puppen spielen dürfen. Aber ich lernte schnell, dass anders sein peinlich ist und weh tut. Also passte ich mich irgendwie an. Ich entwickelte mich zu einer unsicheren, in sich gekehrten Persönlichkeit mit aufgesetztem Durchsetzungsvermögen.

Für mich gab es zu der Zeit keine Vorstellbare Lösung außer zu akzeptieren dass ich mich verstellen und anpassen muss.

Mit der beginnenden Pubertät habe ich bald beim Erforschen meiner Sexualität gemerkt, dass ich mit meiner von der Natur gegebenen Anatomie irgendwie klar kommen musste, aber mir eigentlich etwas anderes wünschte, und auch entsprechende, kompensierende Fantasien entwickelte. Dass es medizinische und/oder chirurgische Lösungen überhaupt gäbe war mir nicht bekannt. Wie auch? Ohne Internet hätte ich mich der Scham hingeben müssen in eine öffentliche Bibliothek zu gehen. Also auch hier blieb es im Geiste und musste dort verweilen.

Mit 18 hatte ich endlich Internet. Und somit die Möglichkeit mich einigermaßen anonym schlau zu machen ob ich ein einmaliges Problem habe oder nicht. Dem war nicht so. Also las ich mich etwas ein. Die Bilder waren erschreckend für einen „Schisser“ wie mich. Zunächst waren die Ergebnisse der Hormontherapie absolut unzureichend für mich. Die meisten Personen waren trotzdem als Männer zu identifizieren. Und dann erst eine geschlechtsangleichende OP…
Nach dieser brutalen Sauerei soll als Ergebnis heraus kommen, dass man keinerlei Uterus besitzt, somit nicht Zeugungsfähig ist und keine Periode haben kann? Über die Risiken und Komplikationen reden wir erst gar nicht.

Ich war erschrocken. Wofür das alles? Um so was Halbes zu sein? Ich war anatomisch gesund. Warum sollte ich das riskieren und teilweise aufgeben?? Ich hatte noch die blumige Vorstellung von Familie mit Kindern. Ich wollte mich noch irgendwann fortpflanzen.

Stattdessen ignorierte ich erneut meine inneren Warnsignale und lebte weiter meinen Selbstbetrug. Ich versuchte zu studieren (Informatik), brach dies aber wieder ab, machte stattdessen eine Ausbildung als Optiker, und fand dann meine Ehefrau.
Wir heirateten 2005 und bekamen 2008 unsere Tochter. es schien alles perfekt.

Nun haben wir 2015. Seit drei Jahren habe ich nebenbei die Diagnose „Bipolare Störung“, auf die ich an anderer Stelle eingehen werde. Einige Manien und Depressionen haben mir klar gemacht welche Schutzmechanismen und Barrieren ich aufgebaut habe um nicht als weibisch durchzugehen. Ich bin schluderig, mache kantige und ungrazile Bewegungen, vermeide Shoppen von Bekleidung und Accessoires… was immer mir hilft, mein inneres Ich im Zaum zu halten.

Über 30 Jahre habe ich die Frau in mir verborgen und verleugnet. Ich kann nicht mehr. Es muss sich etwas ändern. Und nach meinem Outing daheim hat meine Frau mir den Laufpass gegeben. Sie schafft das nicht und will nicht mit einer Frau zusammen sein.
Ich bin nun geschieden…

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