Auch ich bin eine Zwiebel… ;)

Oger und Zwiebeln haben Schichten. Das haben wir aus dem Film Shrek gelernt.

Ich muss auch immer mehr erkennen, wie zwieblig ich bin. Ganz viele Schichten. Und ich habe mir zu wenig Zeit gegönnt sie alle kennen zu lernen. Ich setzte mir Ideale und Ziele und verfolgte sie fieberhaft. Doch meine inneren Schichten habe ich mir nie angeschaut. Sind diese Ziele überhaupt die richtigen für diese Zwiebel? Gehört sie wirklich in einen Salat, oder vielleicht doch lieber scharf angebrannt in Geschnetzeltes? Hehe, so viel zu Humor in ernsten Themen. Wirkt immer irgendwie philosophisch, oder?

Also ich dachte immer, ich müsste Großes erreichen. Und dieses Große ließ ich mir von meinem Umfeld suggerieren. Ich wollte deren „groß“ erreichen. Mich selber habe ich eher hinten angestellt. Das klingt sehr ironisch, so selbstsüchtig und egozentrisch ich mich aktuell wahrnehme. Doch genau da ist doch schon der offensichtliche Haken. Wie kann man etwas werden, wozu man einfach keinerlei Voraussetzung erfüllt? Man kann sich verbiegen und einpressen, aber es wird nie erfüllend sein, weil es eine Rolle ist, kein wirkliches Selbst. Und im Rollen spielen habe ich ganz groß aufgetrumpft in meinem bisherigen Leben. Ich habe unglaublich viel annektiert und imitiert. Ich war mal jung und unschuldig … uuuh, klingt das kitschig…

Dann kam das Leben. Ich hatte Angst. Kein Selbstvertrauen. Wusste nicht wer oder was ich bin. Da kam eine neue Technik ganz recht – sei das was dein Umfeld gerade ist. So habe ich also immer meine Nische gesucht, viele der Verhaltensweisen meiner Mitmenschen aufgenommen und integriert. Ich war auf einmal Raucher, schlechter in der Schule, wandelte meine Interessen, ließ vieles schleifen, wollte dazugehören, wollte Dinge besitzen die andere auch haben, suchte nach Hobbies, die cool oder außergewöhnlich sind, und habe die ganze Zeit mein Selbst völlig ignoriert und vernachlässigt.

Ich war dummerweise viel zu jung als ich damit anfing. Ich verstand das ganze nicht. Ich stellte mir vor ein Mädchen zu sein, eine Prinzessin, fantasierte gedemütigt und physisch misshandelt zu werden. Was sollte das alles? Ich war gerade mal sechs, und bis zum 12. Lebensjahr keine Änderung in Sicht. Das waren doch alles Dinge, die man mir als „nicht OK“ suggerierte. Ich sprach es also nie an. Ich kommunizierte mit niemandem, dass ich … aus heutiger Sicht eine devote Frau bin. Das verstand ich damals nicht. Und es passte nicht zu dem was man mir als „moralisch“ vorlebte und erklärte. Also hielt ich den Mund. Fremden gegenüber verständlich. Meinen Eltern gegenüber hätte es einiges bewirken können. Meine Eltern SIND sehr verständnisvolle, liberal denkende Menschen, sie hätten vielleicht gemerkt dass man mal ohne Schande einen Therapeuten hinzuziehen könnte um zuzuordnen wer oder was ich bin und wo etwas aus dem Ruder läuft.

Hätte, hätte, Fahrradkette. Ich hatte zu viel Angst, hatte zu wenig Vorbilder, sich in seiner Andersartigkeit durchsetzen zu müssen, und vor allem war ich selber zu ignorant mir einzugestehen dass ich nicht etwas ganz Grandioses bin, auf das man egal aus welcher Sicht stolz sein kann. Ich wollte es allen recht machen – allen außer mir selbst. Und darauf folgte die lange Abfolge von Selbstbetrug und Scheinidentitäten. Nein, keine illegalen Machenschaften. Nur die radikale Methode, sich selber vorzulügen etwas zu sein, was man, um den Weg des geringsten Widerstands zu gehen, sein sollte. Und das wandelte sich auch noch je nach Umfeld. Ich habe es allen recht machen wollen, außer mir selbst. Und das ist jetzt eine Wiederholung. Tzzz.

Wer bin ICH eigentlich? Das kann ich hinter den dicken Mauern, die ich mir selbst errichtet habe, nur langsam Stück für Stück erhaschen. Ist blöd, wenn man die Eingänge zu sich selbst zugemauert hat. Ich meine, immer wieder brechen einige der kleinen Kinder, die ich in ihrer Entwicklung unterbrochen eingesperrt habe, aus und toben. Das merke ich an irrationalem Verhalten. Auch wenn ich es allen recht machen möchte, handle ich immer wieder plötzlich sehr eigennützig und egoistisch. Und das manchmal mehr als unangebracht. Hätte ich mehr Sorgfalt walten lassen während meiner Entwicklung, wäre ich jetzt kontrollierter und erwachsener. Stattdessen kann ich einen Erwachsenen spielen, aber ich selbst bin ein kleines Kind, das keine Ahnung hat was es eigentlich will. Und das hat das letzte Jahrzehnt zu Depressionen und Stress geführt. Ich war niemals ich, und so konnte ich mich über die Erfolge meiner „Rollen“ nie langfristig freuen. ICH hatte es zwar erreicht, aber es nutzte nur der Rolle. Mir selbst war damit kein Stück weiter geholfen. Ich war immer noch unzufrieden, isoliert, verzweifelt. Also ging das Spiel der kleinen Ausrutscher immer weiter. Denn Selbstbetrug hält nicht ewig. Egal wie gut das Konstrukt auch gemacht ist, es ist schier unmöglich sich selbst dauerhaft zu belügen.

Also stehe ich nun in der Mitte meines Lebens und kann so einiges von vorne beginnen. Aber immerhin, ich habe allerhand gesehen und mein Horizont ist viel weiter, also sehe ich auch viel mehr Möglichkeiten als früher. Dieses „ich muss noch mal Dinge neu anfangen“-Dilemma haben bestimmt viele Menschen da draußen. Nur nicht in diesem ungesunden Ausmaß wie ich. Und nein, ich bin deswegen nichts besonderes, es gibt sicher einige wenige, die mich locker noch überbieten können. Aber für mich selbst bin ICH natürlich das relevanteste Drama. Und das muss aufhören.

Erkunden wir also mal das unterdrückte Ich. Gar nicht so einfach. Millionen Unterdrückungsmechanismen sind inzwischen unsichtbar am Werk. Ich habe sie alle selbst konstruiert, aber inzwischen natürlich längst den Überblick verloren. Wie in einer gigantischen Bürokratie, wo man in der Mitte gar nicht mehr weiß was die unter einem eigentlich machen und umgekehrt. Man erschafft immer neue Regeln, um irgendwie die nicht verstandenen existenten Regeln umzubiegen. Bis schließlich alles still steht, weil Regel 3 mit Regel 172363482348 kollidiert und zum Blackout führt. Beim Menschen tritt dann sowas wie eine abrupte Depression auf, weil das Gehirn nicht mehr weiter weiß und erst mal Erholung braucht. Das hatte ich jetzt die letzten Jahre 2-3 mal. Doch statt bei null anzufangen habe ich einfach willkürlich 15 Regeln gestrichen und dann ging’s wieder.

Ich entferne mich von der Illusion ALLE Regeln brechen und neu aufstellen zu können. Das nennt man „verkorkst“, und das werde ich immer bleiben. Aber ich muss jede Regel, die ich wahrnehmen kann, auf den Prüfstand stellen, um wenigstens ein bisschen aufzuräumen. Und aufräumen bedeutet eben auch sich der Kritik anderer und vor allem der eigenen zu stellen. Und man stellt nicht nur fest, das vieles davon gerechtfertigt ist. Gerade bei der Selbstkritik kann man häufiger feststellen, dass sie absolut unfair ist. Nur ein Heiliger kann so vollkommen sein. Und Heilige sind wir alle nicht. Wir sind Menschen und müssen einfach lernen, unsere Macken und Unzulänglichkeiten im Rahmen zu halten. Sie zu eliminieren ist nicht immer praktikabel. So wie man sich ein fehlendes Bein nicht einfach wieder dran wünschen kann, so ist das auch mit dem Kopf. Jedes Gehirn ist etwas anders konzipiert und gereift, und gewisse Muster sind einfach gegeben. Gerade psychische Erkrankungen sind nun mal ebenso wenig operierbar wie ein fehlendes Bein. Man kann Prothesen bauen und lernen damit zu gehen. Aber es wird nie ein richtiges Bein einfach nachwachsen.

Und so stehen wir also an den wichtigen Themen meines Lebens – ich bin eine Frau. Eigentlich scherze ich immer über das „Mädchen in mir“, denn mir ist mehr als bewusst dass diese Frau niemals die Reife einer Erwachsenen erlangen konnte. Und da ist auch was dran. Aber vor allem ist was dran an der Tatsache, dass ich dank der zunächst recht lapidar wirkenden Verhaltenstherapie zu meiner bipolaren Störung zu der Erkenntnis gelangt bin, dass ich mir einfach so viel Stress aufgebaut habe, dass es unmöglich ist glücklich zu sein. Und dauerhaft unglücklich zu sein, auch wenn eigentlich alles im Leben erschaffene zu Glück führen müsste, ist unbefriedigend. Da KANN was nicht stimmen. Alles zu haben was man sich vorgenommen hat, und dennoch unglücklich sein? Scheiße bauen wie eine Kaufsucht entwickeln, um etwas zu kompensieren, was eigentlich keiner Kompensation bedarf?? Da ist doch was faul! Ja, ALLES.

Ich bin also männlich geboren, aber im Kopf weiblich. Daraufhin habe ich das verdrängt und mich selbst GEZWUNGEN damit zu leben ein falsches Leben zu führen – nämlich ein männliches. Weiterhin habe ich mich dann in keiner „Rolle“ länger wohl gefühlt und mir immer wieder neue Rollen gesucht. Und jede dieser Rollen war der Versuch, in dieser Nische glücklich zu werden. Doch es ging nicht. Und nun stand ich angsterfüllt am Wendepunkt – was soll ich tun? Weiter suchen? Oder endlich zugeben dass ich etwas Merkwürdiges, sozial nicht immer Akzeptiertes bin? Wenn ich immer wieder Weg A wähle, und immer wieder enttäuscht bin, ist es nicht Zeit, mal Weg B auszuprobieren? Es gibt keinerlei Garantie, dass Weg B besser ist, aber ich habe ihn ja auch noch nie betreten. Vielleicht ist er ja doch zumindest geeigneter für mich?

Egal. Es ist jetzt bereits geschehen. Und meine Ex hat mich noch unwillentlich ermutigt Weg B zu nehmen. Denn sie hat alles hingeworfen und war enttäuscht. Auf der einen Seite kann ich es verstehen. Der damalige Kerl, der ihr romantisch nachstellte, hat sich immer mehr zurückgezogen und war unzufrieden. Er hat die Stimmung auf den Boden gezogen und daher war das Leben mit mir sicher zunehmend belastend. Dann die Hiobsbotschaft – „Ich will eine Frau werden“. Dass das nicht JEDER versteht und/oder mitmacht ist auch verständlich. Das ist eine persönliche Entscheidung. Von daher stand ich an dem Punkt, entweder zurückzuziehen und meiner Familie treu zu bleiben (und eben auch noch meiner TOCHTER!), oder die Verbindung zu kappen und zu gehen. Ich habe mich nach gründlichem Überlegen für letzteres entschieden. Für MICH schien es die einzig vernünftige Entscheidung. Ich war UNFÄHIG, in dieser Ehe und Vaterschaft weiter zu bestehen, und ich sah nur den weiteren Progress meiner Gleichgültigkeit. Ich wäre nie zu einem liebevollen Ehemann und sorgenden Vater geworden. Der Verfall hätte einfach fortgesetzt. Also entschied ich mich das erste mal im Leben MEINEN Weg zu gehen, und gleichzeitig für ALLE Konsequenzen, die das nach sich ziehen würde. Und das sind nicht wenige. Denn aus Sicht vieler habe ich meine Familie im Stich gelassen. Und rationell gesehen ist genau das geschehen. Ja. Das habe ich. Auch wenn ich weiterhin Unterhalt zahle und darum bettle meine Tochter regelmäßig sehen zu dürfen, habe ich primär eigentlich alles hingeworfen und mich aus dem Staub gemacht. Wobei ich ihr die Wahl ließ, weiterhin in Ehe mit mir zu leben. Aber somit habe ich SIE vor eine Wahl gestellt, die ich erst selbst erzeugt habe. Egal, lange Rede, kurzer Sinn, ich habe Verantwortung anderen gegenüber gegen Verantwortung MIR gegenüber eingetauscht. Ganz simpel. Und wer mir das krumm nimmt … es ist nicht unberechtigt. Meine Entscheidung war ein Rettungseinsatz meiner selbst. Weil ich sonst zerbrochen wäre und ebenfalls alle allein da gestanden hätten. Doch das sieht man nicht. Reden kann ich viel. Es zählt nicht was man sagt, sondern was man tut. Ich habe so gehandelt. Und mit der Schande auf meinem Lebenslauf lebe ich.

Ebenso habe ich mich entschieden von … vielleicht 70%? – der Menschheit schief angesehen zu werden, von 30% sogar geächtet oder diskriminiert, der verringerten zukünftigen Chancen auf dem Arbeitsmarkt, der verringerten Chancen einen offenen, verständnisvollen Lebenspartner zu finden, diversen riskanten Eingriffen und gesundheitlichen Risiken, ebenso der Gefahr der verringerten sexuellen Empfindsamkeit, und und und …

Machen wir uns nichts vor; es KANN alles super laufen. Und nur weil ich aktuell so unglücklich bin, dass es sich lohnt, gehe ich jetzt diesen Pfad des Risikos. Es KÖNNTE sein dass die Hormone super anschlagen, ich die Kurve bekomme mein Außenbild dermaßen umzukrempeln dass ich auch als Frau durchgehe, und die OP super läuft und ich die tollsten weiblichen Multorgasmen erleben kann. KÖNNTE….

Es kann aber ebenso sein, dass auf diesem Weg einiges schief läuft. Die Hormone könnten eventuell NICHT für den gewünschten Rückgang der Behaarung, der passenden Kurven, und dem Wachstum der Brust sorgen – zumindest nicht ausreichend. Ich bin finanziell nicht so aufgestellt dass ich mir 100.000,- € für OPs zur freiwilligen Nachkorrektur zur Seite legen kann. Was ich als Leistung der Krankenkasse nicht einfordern kann, muss so gehen. Und was wenn die OP Komplikationen bringt? Genau DA unten ist jede winzige Fehlleistung des Operateurs eine Konsequenz. Was, wenn ich nur schwer oder gar nicht mehr empfindungsfähig bin? Ewig zum Orgasmus brauche oder es gar nicht mehr klappt? Seien wir doch mal ehrlich, KEINEN gescheiten Sex mehr haben zu können, das ist schon ein Verlust im Leben. Nicht der Tod, aber für fast alle Menschen etwas selbstverständliches.

Dass ich also Angst habe ist verständlich. Aber ich habe da etwas angefangen, das ich nicht mehr aufhalten kann. Es nennt sich Hoffnung. Hoffnung auf Normalität. Auf die Basis dessen, worauf man später mal Zufriedenheit bauen kann. Selbstverständlichkeit das zu sein, wie man sich selbst wahrnimmt. Ich WERDE mich ärgern an langen Schlangen vor Toiletten anzustehen, während man früher einfach kurz den kleinen Freund in den Wald halten konnte… aber das ist nun mal das, was zu dem gehört, was ich glaube zu sein. Ich würde auch gerne die Tage bekommen. Dafür sollte man mich auslachen. Aber auch das gehört zur Definition dessen was ich eigentlich sein sollte. Ich werde es eigentlich viel zu gut haben. Diese Privilegien will ich eigentlich gar nicht. Aber nun ja, egal, ich habe mich inzwischen damit arrangiert, dass ich mich nur angleichen lassen kann, aber niemals 100%ig anatomisch weiblich sein werde. Aber es reicht ja schon mal die alltägliche Bedienbarkeit wie eine Frau. Es könnte sich zumindest so anfühlen.

Was hier so obessiv rüber kommt (darauf hat man mich auch schon hingewiesen), ist aktuell eben mein Konstrukt an Hoffnung. Hoffnung aus dem Jetzt heraus zu kommen. Ich KANN aktuell niemanden daten. Ich kann es innerlich nicht. Ich bin noch nicht ich. Was habe ich zu bieten? Versprechungen auf morgen? Ich hänge in einem Zwischending, das die Bürokratie des Amtsgerichts und der Krankenkasse geduldig hinausschiebt, und kann mich selbst nicht einordnen. Aktuell BIN ich eine Transvestitin. Mehr gibt es nicht zu sehen. Stehe ich nackig im Raum, steht da ein Mann. Aus. Also immer noch das, was ich NICHT bin. In meinem Kopf ist alles ziemlich fertig, aber nach außen kann ich nur Bruchstücke davon zeigen.

Geduld du musst haben, junger Padawan…

Und da wären wir auch beim Thema – das habe ich wohl von meiner Familie mütterlicherseits. Wenn wir was machen, dann bis zur Obsession. Mit ganzem Herzblut. Für andere wirkt das obsessiv und einseitig. Wir sind aber so. Dafür gibt es keinen Aus-Schalter. Leidenschaft. Temperament. Das sind Attribute die ich an mir akzeptieren und sinnvoller ausleben sollte. In passenden Momenten kann das sehr positiv sein. In negativen Momenten aber eben auch katastrophal. Ein bisschen Emo steckt also in mir. Lebe deine Emotionen voll aus. Das hilft einer depressionsgefährdeten Seele wie mir aber auch aus dem Dreck heraus. Ich kann unglaubliches Glück empfinden und kann auch schon bei Dramen am TV prima heulen. Dafür kann ich aber auch abdriften und tierisch deprimiert und am Boden sein. Man kann das eine ohne das andere nicht haben. Bekämpfe ich die Abgründe der Emotionen, opfere ich auch die Höhepunkte. Und sie sind schön. Sehr schön. Abgestumpfte Menschen empfinde ich persönlich als unangenehm und ich bedaure ihr Unvermögen, Emotionen zu erleben. Warum sollte ich also selbst daran arbeiten so zu werden? Ja, ich werde immer schwierig sein im Umgang. Aber wer sich auf mich einlässt erlebt auch was. Das ist Teil meiner Persönlichkeit, die ich niemals wieder so sehr unterdrücken will wie ich es bisher getan habe. Es gibt andere Dinge, die mich stören. Konkurrenzdenken zum Beispiel. Hier sehe ich tatsächlich wenig Vorteile für mich. Es spornt mich an, ja, aber es gibt auch andere Wege sich anzuspornen. Hilfsbereitschaft, persönliche Weiterentwicklung… das alles sind geeignete Motivatoren. Konkurrenzdenken, Neid und Missgunst sind unangenehme Methoden. Denn wenn man sie nicht erfüllt ist man von sich enttäuscht, was sich wieder mit meiner erhaltenen Emotionalität beißt. Eins muss weg. Etwas sinnvolles.

So eröffne ich jeden Tag neue Baustellen in meiner Seele, und das wird im positiven Sinne niemals enden. Wer aufhört sich zu verbessern, der hört auch auf gut zu sein. Hat mal irgendein weiser Kampfkunstmeister gesagt. Weiß nur leider nicht mehr wer.

Und wie man sieht, der Streber von damals verwendet inzwischen schon aus rhetorischem Zweck häufig unvollständige Sätze, und wer Rechtschreib- oder Grammatikfehler findet, darf sie gerne behalten. Ich fahre meinen krankhaften Perfektionismus langsam runter. Wen das stört – denkt mal darüber nach, ob ihr ebenso wie ich euch selbst eigentlich am meisten im Wege steht, glücklich und kompromissbereit durch das Leben zu gehen. Ihr ärgert euch, die anderen ärgern sich. Und wem hilft’s? NIEMANDEM. Und ja, ich habe tatsächlich die dreiste Erwartungshaltung an meine Mitmenschen, sich über meine Fehler weniger ärgern zu üben, denn ich mache das auch mit euch. Kategorischer Imperativ. Es ist keine perfekte Lösung, aber ist das Ziel der Menschheit wirklich die Perfektion? Oder vielmehr jedem auf seine Weise zu gönnen glücklich zu sein? Denn man hat nur EIN Leben. Es gibt keinen zweiten und dritten Versuch. Und was haben unsere Nachfahren davon, dass wir zwar alles gegeben haben, aber kreuzunglücklich waren, und ihnen somit auf den Weg geben, dass das Leben scheiße ist?

Jeder hat das Recht glücklich zu sein. Egal ob es der Menschheit global hilft oder nicht. Und wenn wir der Welt eigentlich nur einen Arbeitsplatz hinterlassen nach unserem Tod – ist das wirklich das wichtigste? Ist es wert, dafür ein Leben lang zu opfern und unglücklich zu sein? Wirklich?

Wie auch immer eure Glaubenswelt ausschaut – ein Paradies, Nachleben oder was auch immer kann EINES bestimmt immer gebrauchen – jene, die herausgefunden haben, wie man sich selbst und dann eben auch andere glücklich macht. Was will die Menschheit mit ihrem Verbesserungswahn denn tolles erreichen? Ungerechtigkeit besiegen? Na dann fangt doch mal bei euch selbst an. Wer sich selbst schon nicht gerecht behandelt, dem sollte auch keine Verantwortung übertragen werden daran herumzuspielen wie andere sich behandeln sollen. Das wäre dann mit Krieg auf Krieg reagieren. Das sehen wir täglich, zu welcher Spirale aus Gewalt und Unglück das führt.

Ich bin bemüht mich selbst fair zu behandeln, und in diesem Zuge lerne ich auch wie ich andere fair behandeln kann.
Und wenn jeder das Recht hat glücklich zu sein, dann kann ich das auch von mir auf andere projizieren. Seid glücklich. Und wenn nicht, ich bin eine der Personen die ihr daran teilhaben lassen könnt woran es scheitert. Ich habe mich sehr über externe Hilfe gefreut, und sicherlich habe ich auch irgendwas im Angebot das euch helfen kann. Hilfe ist kostenlos. Und keine Schande. Nicht alles kann man ALLEINE stemmen.

Nun ja, eine angenehme Nacht, mögen auch eure Träume in greifbare Nähe rücken, und fühlt euch mal alle gedrückt. Egal wie brummelig ich manchmal sein kann – ich kann vergeben, und auch zuckersüß sein. Und vor allem will ich niemandem per se etwas böses.

Rebecca

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