Was will ich eigentlich…?

Hallöle 😉

So sitze ich hier wieder und meine Gedanken drehen sich im Kreis.

einen Raum weiter sitzt mein Mitbewohner platonischer Natur, der mir sauer ist, dass ich nicht über den Tellerrand schaue und keine Rücksicht auf ihn nehme. Da ist sogar wirklich was dran. Ich bin so sehr mit mir selbst beschäftigt. Dabei wollte ich durch meine Transformation die ewigen Selbstzweifel und Verschwendung von Zeit an diese endlich zur Ruhe bringen. Doch noch ist es nicht durchgestanden. Ich plage mich mit dem Zwischending herum, das sowohl Nerven als auch Opfer fordert. Selbst wenn ich mich nicht damit beschäftigen will passiert es trotzdem. Denn ich habe mir nun neue Ziele gesetzt und sehne mich nach ihnen. Also arbeitet jede Synapse meines Unterbewusstseins daran dem entgegen zu streben. Und dabei bleibt vieles auf der Strecke, was ganz alltäglich sein sollte. Ich fühle mich missverstanden, falsch eingeordnet, und nach wie vor völlig falsch zugeordnet. Dennoch muss ich dies immer noch stillschweigend zulassen. Mein Arbeitgeber soll es noch nicht erfahren. Meine Tochter weiß noch nichts. Es ist ein ständiger Wechsel zwischen zwei Personen erforderlich. Als wenn das ganz einfach durch einen Schalter zu bewerkstelligen wäre. Es ist ein Drahtseilakt, der viel Konzentration und Beherrschung kostet. Am Wochenende und wenn der Abend es zulässt bin ich bereits Rebecca. Das ist schön. Doch bei jedem Amtsbesuch und Gang zur Arbeit bin ich plötzlich wieder „er“. Das Stimmtraining wird unterbrochen, meine Gestik zurückgefahren, mein Gang zurück modifiziert, und die aktuell zum Glück etwas variable Frisur kaschiert. Es ist eklig. Jede Fahrt zum Therapeuten oder Gutachter o.ä. bedeutet eine Schmink- und Umkleideaktion WÄHREND der Fahrt, um es zeitlich zu schaffen. Stress.

Und auf der anderen Seite bin ich hin- und hergerissen in meinem Verhalten anderen gegenüber. Und diese sind auch verunsichert. Man kannte mich als „ihn“, und nun ist es eine SIE. Ich habe großes Glück, dass ich vielen toleranten Menschen begegne, die das eher spannend finden und mich unterstützen wollen, aber auch sie können nicht zaubern und einen Schalter umlegen.

Ich muss Tag für Tag kämpfen. Um Termine, um Glaubwürdigkeit, um Unauffälligkeit, und doch darum ICH zu werden. Und diese Kampfmentalität wirkt sich auch auf den Alltag aus. Ich merke dass ich inzwischen an falschen Stellen ebenfalls kämpfe statt nachzugeben. Ich will mich durchsetzen, um auf keinem Fall der Angst zum Opfer zu fallen. Auch wenn es unangebracht ist. Ich gebäre auf, ich rebelliere, ich bin patzig und uneinsichtig. Weil mein Schwarz-Weiß-Denken-Gewohnheitsköpfchen die Kurve nicht kriegt. Werde ich nachgiebiger, lasse ich alles schleifen, bin ich unnachgiebig, dann bei allem. Schalter an, Schalter aus. Das nervt, und kostet meine Umwelt viel Nerven. Mich daraufhin natürlich auch. Aber kann man beides sein, eine Kämpferin und eine liebe Seele? Manche können das. Könnte ich doch auch dazu gehören. Meine Scheuklappen wollen nicht aufgehen. Tunnelblick.

An anderer Stelle fühle ich mich auch unverstanden, allein gelassen. Niemand, egal wie viel Wille und Freundlichkeit dahinter steckt, kann wirklich nachvollziehen, was ich da durchmache und was es für Auswirkungen auf mein Wesen hat. Es ist zermürbend, häufig deprimierend, und vor allem aktuell ohne Hormone und OPs einfach nur SAUpeinlich. Man sieht meinen verdammt dicken und dunklen Bartansatz trotz hautaufreißend gründlicher Rasur, auf IPL-Behandlungen spricht die Behaarung auch kaum an (2 von Millionen Haarwurzeln pro Behandlung????), so kommt es mir zumindest vor. Mein Bauch, den ich gerade mit eiserner Diät bekämpfe, ähnelt einer typischen Männerwampe. Ich könnte mich höchstens als schwanger rausreden, ansonsten ist das KEINE weibliche Proportion. Und es ist Sommer, eigentlich das Wetter um seine Weiblichkeit wunderbar zur Schau zu stellen. Und ja, ich wäre so eine. Zumindest ohne die aktuellen, nicht unbegründeten Komplexe. Psychostress. Unzufriedenheit.

Und sonst so? Ich bin einsam. Und unterversorgt. Doch was könnte ich ändern? Ich möchte als anatomischer Kerl nicht mehr intime Nähe eingehen. Das fühlt sich inzwischen schon in Gedanken befremdlich und irgendwie eklig an. Und wonach suche ich überhaupt? Bin ich bald offiziell nach Definition lesbisch? Ich hielt mich bisher für bisexuell, doch weiß ich manche Ungereimtheiten nicht zuzuordnen. Ja, ich werde eine Frau. Mental wie anatomisch. Und ich möchte dann auch so „bedient“ werden. Dazu würde es anatomisch männliche Genitalen auf der Gegenseite benötigen. Sollte ich mich also auf die Suche nach dem Mann meiner Träume machen? Ab wann? Jetzt schon? Muss er also gewillt sein auch den Übergang vom Jetzt ins Später mitzumachen? Sollte ich warten? Ich mag nach wie vor Frauen. Sollte ich nach der Nadel im Heuhaufen suchen?? Also nach einer Transfrau, die sich im Gegensatz zu mir entschieden hat ihr männliches Gemächt zu behalten? Wäre das meine ideale Partnerin? Reizvoll klingt das schon. Eine Frau, mit der ich aber hetero-Sex haben könnte? Es gibt ja nicht viele von ihnen. Eventuell sind sie auch eher einsam? Bin ich die eine auf Milliarden, die zu einer anderen auf Milliarden passt? Ach, keine Ahnung. Das klänge für mich aktuell perfekt. Aber unwahrscheinlich. Ansonsten bin ich erst mal auf Alternativen angewiesen. Ich weiß nur nicht mal welche.

Mein Leben ist aus dem Gleichgewicht. Es wird wieder Fuß fassen. Nur dank der Bürokratie ist die Zeit dort hin sehr lang und zäh. Wie also überstehe ich die Zeit dazwischen? Ich dachte ich würde schon 1-2 Jahre alleine und einsam überleben. Jedoch sind schon 1,5 Jahre vergangen, und weitere 1-2 Jahre zeichnen sich ab. Das ist VERDAMMT viel Zeit, die es zu überbrücken gilt. Aktuell einsam. Es wird trostlos in meinem Herzen. Auch ich bin ein Mensch. Ich habe auch romantische Bedürfnisse. Kuscheln, Flirten, Knutschen… und was auch immer danach folgt, das sind alles Dinge wonach sich die meisten Menschen sehnen. Nur bin ich selbst aktuell eine wandelnde, unvollständige Baustelle. Gibt es da draußen einen oder eine, der/die sich auf den ganzen Übergang mit einlassen würde? Wenn ja, wo? Und warum? Ich bin mal kein emotionales, sondern ein tatsächlich physikalisches Wrack 😉

Egal, noch zwei Jahre. Dann sollte es aufwärts gehen. Zwei Jahre. Das muss doch zu schaffen sein. Und vielleicht passiert mir dazwischen ja doch noch etwas gutes. Ein bisschen Glück. Ein Zufall. Irgendwas, das mir hilft das durchzustehen.

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