Von Kopf bis Fuß…

Was bin ich?

Erst mal Hallo. Ich wollte nicht mit der Tür ins Haus fallen.
Mich beschäftigen wieder mehr Fragen als ich Antworten finden kann.

Im Kopf schlummert ein kleines Mädchen, das vermutlich gerade pubertiert und sich deswegen so kritisch beäugt. Dennoch ist ein Teil von mir ja auch schon reifer und erfahrener. Aber dieser Teil möchte so gar nicht existieren. Ebenso wie das Mädchen.
Ich schließe die Augen und erspüre mich als Frau/Mädchen/Dame…Zicke…was auch immer. Weiblich. Ganz klar. Würde ich die Augen öffnen und vor einem Spiegel stehen, der eine Frau zeigt, alles wäre absolut normal und in Ordnung. Doch das ist nicht so. Also was kann ich tun?

Was ist überhaupt „Frau“? Was ist die Definition?
Trägt Kleid/Rock, hat Brüste und Vagina, steht hinter dem Herd, kriegt Kinder……..äh, halt, nein, das ist selbst in einem Porno inzwischen recht unglaubwürdig.

Also was dann? OK, anatomisch einfach – das muss man nicht erklären. Doch was macht das nach innen geformte, primäre Geschlechtsorgan, dessen Umgang und Handhabe, und der Einfluss eines östrogengeprägten Hormonhaushaltes mit einem Menschen? Was ist ganz klar gleich oder zumindest ähnlich? Da draußen laufen Diven, Beautyqueens, Sekretärinnen, Krankenschwestern, Fließbandarbeiterinnen, Fachinformatikerinnen, Bauhandwerkerinnen, Ganovinnen, Polizistinnen …. und was auch noch alles herum. Sie alle gehen anders damit um, dass sie biologisch weiblich sind. Sie sind kaum vom gegensätzlichen Geschlecht zu unterscheiden, oder machen einen großen Hehl daraus abzuweichen. Dennoch sind sie alle Frauen, und kaum jemand zeigt sich mit der Definition nicht einverstanden. Man gebe mir also meine ersehnten Hormone und eine OP, und ich bin auch eine Frau, oder? Juristisch gesehen kann da doch keiner mehr widersprechen, gell?

Jene Transfrauen, denen ich bisher über den Weg lief oder die ich online entdeckte, waren auffällig weiblich. Überweiblich. Prägnant weiblich.
Ist das normal? Ist das Kompensation? Ist das Ausleben eines bisherigen Defizits?

Bin ich dann auch normal weiblich, wenn ich einfach nur eine OP und Hormone will, und den Rest langsam und natürlich kommen lassen will? Ist das nicht weiblich? Muss ich übertreiben und übersteigern? Ist das Voraussetzung des „Praxistests“, dass ich meiner Umwelt geradezu aufDRÄNGEN muss dass ich total super mega weiblich bin? Oder ist das ungesund und nicht notwendig? Darf ich einfach ICH sein? Locker, alltäglich, und mein eigenes Ich aufleben lassen? Das sollte doch erlaubt sein, oder? Reduziert man Frauen auf Klischees ist das unhöflich und respektlos. Also muss auch ich kein wandelndes Klischee sein, oder? Das wäre ja MIR gegenüber respektlos. Die Würde des Menschen….blablabla…

Also. Es gibt Dinge an mir die nicht passen. Ich möchte das Leben weiblich erleben. Technisch, anatomisch, menschlich, gesellschaftlich.
Hormone. OP. Enthaarung. Stimmtraining. Richtiger juristischer Personenstand. Dann … wäre ich eigentlich schon glücklich. Der Rest ergibt sich automatisch.

Und was so einfach klingt ist ein Akt absoluter Grausamkeit. Ich muss es beweisen. Immer und immer wieder. Künstlich, krankhaft. Nicht ICH stelle diese Regeln auf. Sie kommen von außen. „Du willst als SIE angesprochen werden? Dann kleide dich halt auch 24/7 so!“. Spricht eine Frau, die in Jogginghose und legerem, auch Männern passenden T-Shirt vor mir steht. Nicht falsch verstehen, ich mag sie und möchte ihr nichts böses. Aber wieso muss ICH etwas beweisen? Ich informiere, dass ich eine Frau bin. Wer das akzeptieren kann muss ja eigentlich nur etwas Gewöhnungszeit einplanen. Alles gut. Kein Problem. Oder? Doch. Ich muss aufs ganze gehen, übertreiben, provozieren, fordern, um auch nur ansatzweise einen Hauch von gleichem Recht zu ergattern. Beweispflicht auf meiner Seite. Immer.

Ebenso braucht es ZWEI Gutachten, denen man erst mal hinterher laufen muss, um den Staat zu überzeugen, dass vielleicht möglicherweise irgendwie eventuell da was dran ist – und man ja mal einen Gerichtstermin veranlassen könnte. Wow, volle Unterstützung. Danke. Menschenrecht in der untersten Schublade. Und die Krankenkasse? Oh, arme Frau, natürlich unterstützen wir Sie … äh, Moment, das kostet Geld … Werter Herr, was wollen Sie eigentlich von uns?? Bringen Sie erst mal die Gutachten, ein Jahr Therapie, peinliche 12 Monate Praxistest OHNE Hormone, ohne OP, ohne alles, völlig überschminkt in einem Umfeld in dem man beständig enttarnt und belächelt wird……. und wenn Sie dann nicht heulend zusammen gebrochen sind, arbeitslos auf der Straße sitzen und es bereuen und aufgeben, DANN reden wir mal drüber….
So etwas unwürdiges habe ich echt nicht verdient. Zwei Gutachten. OK. Soll ja keiner glauben, ich hätte da nur mal eine Laune, und würde es später bereuen. Aber bereuen kann man auch erst, wenn etwas geschehen ist. Nicht wenn man es unter verfälschten, negativierten Bedingungen analysiert. Das wäre, als würde man ein Auto mit 200km/h an die Wand fahren und aufgrund dieser Ergebnisse die Aussage aufstellen, das Auto sei allgemein nicht verkehrstauglich, weil es zu schnell kaputt geht. Joa. Aus der Perspektive gesehen…

Aber genug gejammert. Manches ist nachvollziehbar, anderes einfach nur Schikane und Bürokratie. Ich mach das ja alles mit. Wenn nur die Mitmenschen im Alltag nicht wären, die mit absolutem Unverständnis einfach weiter machen, als wäre Rebecca nicht existent. Als wäre ER immer noch da. Als wäre ER für immer da. ICH bin da. Und ich bin eine SIE. Punkt. Ich habe schon genug Komplexe in diesem Körper, ich brauche nicht noch mehr Last von außen. Da wundert es nicht dass ich mich eher zurückziehe und tagträume. An irgendwas muss ich festhalten. Mehr gibt’s nicht. Noch mindestens ein Jahr nicht kann ich locker befürchten. Durststrecke. Durchhalten. Weiter machen. Hmpf.

Also für euch da draußen; es durchzuziehen ist genauso anstrengend wie es weiter zu ignorieren. Das einzige was sich ändert ist die Hoffnung, dass sich eines Tages das Blatt mal wendet. Ich spiel dann mal weiter Powerfrau und hangle mich durch den Diskriminierungs-Dschungel. Aaa-haaa-aah-haaa-aaah! Autsch, Baum.

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