Das ist das Leben?

Hallo. Schön dass ihr wieder da seid.

Das ist wahrscheinlich mal wieder so ein Mimimi-Eintrag. Aber einer, der auf dem Boden bleiben will. Hoffentlich.

Mein Mitbewohner kocht sich etwas. Für sich. Nicht für uns. Das könnte daran liegen dass ich ihn gestern verbal bespuckt habe und unter anderem sowas vom Stapel ließ wie „…wenn es  nur darum geht dass ich deswegen zu kuschen habe, dann lass es. Koch nicht mehr für mich! Ich scheiß‘ drauf!…“

OK. An den genauen Wortlaut kann ich mich – mal wieder – nicht erinnern. Warum auch? Wäre ja zu einfach. Aber an meine Aussage dahinter erinnere ich mich sehr wohl. Und er hält sich daran. Ich verdiene es. Konsequenzen. Das Leben besteht NUR aus Konsequenzen, in allem was wir entscheiden und wie wir handeln. Also habe ich es auch so verdient.

So. Und nun? Nach Verkettungen von Fehlern, Buße, Stress und Prüfungen kann ich aktuell feststellen, dass ich mich VOR einigen großen Entscheidungen dreckig gefühlt habe … und danach jetzt gleich wieder. Und hätte ich anders entschieden würde ich mich ebenso dreckig fühlen.
Ich hatte also nie eine andere Option außer mich dreckig zu fühlen. Ach nein, das stimmt ja nicht ganz. Ich hätte einfach keine Fehler machen sollen. Hätte alles besser machen sollen. Ich hätte erwachsen sein sollen.

Wie geht das noch mal? Ich bekomme häufig erklärt was erwachsen sein ist. Jedes Mal irgendwie anders. Mal ist es Opfer bringen, mal ist es für das einzustehen was man verbockt hat, mal ist es nicht kindisch zu sein………. also irgendwie immer dieses „Mach keine Fehler. Oder trage die Konsequenzen mit Fassung!“. Joa, ich blogge gerade. Ich springe nicht vom Dach und heule nicht mal. Obwohl ich es eigentlich sehr gut könnte. Aber was bringt es? Statt sich dreckig zu fühlen sich dreckig zu fühlen? Nein, das war kein Tippfehler 😉

Erwachsen sein ist irgendwie immer damit verbunden Dreck zu fressen und erhabenen Hauptes weiter zu gehen. Und wenn der Dreck einem nicht schmeckt und man ihn erbricht … AUFWISCHEN!

Ein Bekannter sagte ein mal: „Das Ziel des Lebens ist es glücklich zu sein.“

Ist der Mensch dazu fähig glücklich zu sein? Kann man bekommen was man will und dennoch niemandem schaden? Kann man glücklich sein ohne anderen Glück zu nehmen? Wir leben in einer Gesellschaft, wir sind ein gigantisches Netzwerk, auch wenn die Welt immer anonymer zu werden scheint. Wir sind alle miteinander verbunden. Das mit dem Sack Reis und dem Schmetterling funktioniert auch zwischen Menschen. Jeden Tag.

Greifst du nach deinem Glück, stehst du irgendwem im Weg. IMMER. Wer was anderes behauptet möge dieses bitte als Kommentar hinterlassen, ich bin neugierig, ob es standhält.
Selbst jemandem zu helfen kann Schaden verursachen. Denn dem Geholfenen wird aberkannt dass er sich selber helfen kann, und er fühlt sich herabgesetzt, dass er/sie Hilfe braucht. Nur Gefühle, unsinnige sogar, aber sofort schwindet ein Stück Glück, weil ein anderer darin seines fand.

Wo wollte ich eigentlich hin? Achso. Mein aktuell depressiv geprägtes Selbstbild. Weil man mir sagt dass ich aufhören soll zu glauben ich wäre minderwertig und könne nur alles falsch machen. Stattdessen baut man mich auf. Und ich mache DENNOCH alles falsch. Nicht aus Absicht. Und doch geschieht es. Immer und immer und IMMER und IMMER UND IMMER wieder. Ich habe keine Ahnung was in meinem Kopf vorgeht. Ich mache ständig was falsch. Und ich sehe den Fehler nicht kommen. Hinterher klingt immer alles logisch. Aber nicht währenddessen. Mein Kopf kriegt es nicht hin. Er kann 1+1 rechnen. Zwei. Aber wenn da plötzlich 1+1+1 steht, dann versagt er. Da ist ja ein Zwischenschritt. Ende. Dann schreiben wir am besten noch ein €-Symbol dahinter, und es ist alles aus.

Versteht mich nicht falsch, ich habe mich einfach daran gewöhnt so unendlich scheiße zu sein, weil man mir zeigt dass ich es nur schlimmer mache wenn ich es verbessern will, und dennoch wehrt sich mein Inneres dagegen. Das kann es doch nicht sein. Ich kann doch nicht so abgrundtief unfähig und boshaft sein. Ich zeige jedoch in all meinem Verhalten dass ich es sehr wohl kann. Und ich kann es dann sogar selber verurteilen. Nachher……

Offenbar bin ich nicht designed um glücklich zu sein. Jeder ist seines Glückes Schmied. Ich kann halt nicht schmieden. Und ich lerne es wohl auch nicht. Also friss Staub und lächle…

Das Leben wird eigentlich gerade schön. Ich darf endlich zu Gutachtern, um meine Transidentität zu bestätigen. Meine Therapie ist genehmigt. Selbst meine Psychiaterin glaubt mir. Ich habe einen Job, der mir Geld einbringt. Ich habe einen Freund der immer noch da ist obwohl ich ihn immer wieder wie Dreck behandle. Klingt doch toll, oder?

Tatsächlich habe ich aber nach wie vor Geldsorgen, muss auf der Arbeit immer noch sein was ich nicht bin, sehe meine Tochter kaum, werde aktiv gehasst von meiner Frau und anwältlich attackiert, muss mich gerechtfertigt von meinem Freund anbrüllen lassen und nehme Tag für Tag mehr Konsequenzen hin. Und das nicht, weil ich es schleifen lasse oder mich nicht anstrenge. Sondern weil es EINFACH NICHT FUNKTIONIERT.

Kennt ihr diese mittelmäßigen Filmplots, in denen übereifrige Eltern ihre Kinder zu Sport oder Ballett oder sonst was zwingen, auch wenn diese darin nicht die geringste Begabung oder Neigung haben? So geht das Leben mit uns allen um. Du MUSST gewisse Dinge können. Ein empathischer Sinn wird einfach verlangt. Kannst du es nicht, bist du ein unsensibles Arschloch. Achja, und das mit dem logischen Denken. Muss man ja können. Immer und überall. Jeder macht Fehler, nur DU darfst keine machen. Denn seien wir doch mal ehrlich. Trete ich zum 12. Mal jemanden auf den Fuß, an der selben Stelle, auf die selbe Weise, dann ist einfach mal Schluss mit Geduld und Güte. Fertig. Aus.

Es ist einfach so. Ich habe mein Potential ausgeschöpft. Durch noch so akribisches Schneiden eines Kuchens werden aus einem immer noch nicht zwei. Es wird nie mehr als EIN Kuchen aus EINEM Kuchen herauskommen.

Aber ja, das ist absolut depressives Denken. Zwei mal für Lapalien gelobt werden und 712 mal KOLLOSSAL Scheiße bauen ist für mich kein Fortschritt. Maximal ist das eine Verschiebung. Hier weniger, da drüben dann mehr.

Man möge mir auch nur EIN MAL einen Fortschritt in meinem Leben zeigen. Nein, ich meine nicht dieses „Hier klappt’s doch besser!“, während an anderer Stelle alles zusammen bricht.

Ich habe nun mal Stärken und Schwächen.
Meine Stärke ist ganz klar mein unerschütterlicher Mut immer wieder aufzustehen und zu kämpfen.
Meine Schwäche ist jeglicher sozialer Umgang. Ich bin zu lesen wie ein Buch und somit absolut gläsern, berechnend, instabil, hinterhältig und weiß es vor allem nicht einmal, also unbeherrscht.

Meistens sind Menschen mit klaren Defiziten in anderen Bereichen absolute Genies. Weil sich hier Kapazitäten verschieben.
Aber ich darf das nicht. Ich darf es mir nicht leisten. Von mir wird erwartet dass ich ALLES hinkriege.

Jeder hat Verständnis für diejenigen mit „zwei linken Händen“, oder für Depressive… klar, mal weniger, mal mehr, aber grundsätzlich ist irgendwie immer mal wieder Hilfsbereitschaft zu finden. Aber mir? Ich schraube für die, die zwei linke Hände haben, ich füttere die Depressiven mit Lebensenergie, und was ist mit mir? Nein, ich darf nicht instabil und emotional sein. Man nimmt immer gerne meine Hilfe an mit der späteren Kommentierung „hat dich ja keiner dazu gezwungen“. Stimmt. Ich dumme Kuh will ja auch immer helfen. Und verliere den Faden und mache woanders Fehler. Denn helfe ich mal einer anderen Person mehr, beschwert sich die erste, dass sie zu wenig Hilfe abkriegt. Und helfe ich mal mir selbst bin ich egoistisch. Ja, tatsächlich suche ich mir immer das falsche Timing aus. Ja, erneut kein Feingefühl. ABER WANN HATTE JEMALS JEMAND FEINGEFÜHL MIR GEGENÜBER? Ich werde auch immer mit der Rohrzange angepackt. Ich bin ja erwachsen und muss das abkönnen. Und wenn ich mich beschwere dann bin ich depressiv und mache nur Mimimi. Das ist ja ein taktischer Trick mich in eine Opferrolle zu begeben um noch mehr Täterin zu spielen. Ja, ich bin so gemein. Immer. Jederzeit.

Flucht ist keine Option. Durchsetzen ist keine Option. Nachgeben ist keine Option. Ich SOLL scheitern. Daraus lernt man ja angeblich.
Ich sag es offen und ehrlich. Ich lerne rein GAR NICHTS. Würde ich sonst immer wieder die selben Fehler machen? Aus Spaß, weil ich die Konsequenzen so unheimlich geil finde??

Das Leben ist in Sachen pädagogischer Kompetenz so effizient wie eine doppelläufige Schrotflinte zum Justieren einer Taschenuhr.

„Das Ziel des Lebens ist es glücklich zu sein.“ Das kann ich nicht nachempfinden. Nach meiner Auffassung des Weltgeschehens ist folgender Satz wohl treffender:

„Das Ziel des Lebens ist es zu zerbrechen, damit man kein Leid mehr empfindet.“

Tja, Becci kann auch depressiv. Und zwar richtig. Und eigentlich fühle ich mich gar nicht mehr so scheiße. Weil ich weiß dass das Leben scheiße ist. Es ändert sich nichts daran nur weil man jammert. Daran zerbrechen, das wäre jetzt echt cool. Dann hätte ich es geschafft. Schade nur dass mir da mein Dickkopf wieder einen Strich durch die Rechnung macht. Ich kann ziemlich genau vorhersagen, dass ich einsam sterben werde. Und glücklich. Weil ich mit Menschen immer nur Unglück erfahre. Ich bin wohl doch keine Muse, sondern eher eine wandelnde Katastrophe.

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