Realität…

Hallo winzige Gefolgschaft 😉

Heute plaudere ich mal ein wenig über mein aktuelles Ich. Über das, was vielleicht mehrere als nur ich durchmachen. So besonders bin ich ja nun auch wieder nicht.

Realität. Was ist das?
Für die einen ist es eine absolute Konstante. Man sieht sie, man spürt sie, man riecht sie, man kann Messungen an ihr anstellen, sie bewerten, sie festhalten oder fließen lassen. Es gibt ja nur eine.

Auf der anderen Seite wissen wir aktuell, dass unsere Wahrnehmung der Realität sehr subjektiv ist. Was die Augen wahrnehmen, wird erst mal durch das Sehzentrum gejagt und aufgewertet – also unbewusst in Relation mit allem was wir kennen gebracht, interpretiert, und erst dann darf unser tatsächliches Bewusstsein anfangen sich das ganze mal genauer anzuschauen. Mit den Ohren soll das auch nicht so viel anders ablaufen habe ich mal aufgeschnappt. Sprachzentrum und so…

Warum trauen wir jemals dem, was wir als Realität erachten? „Nein, das habe ich so nie gesagt!“ Hat sicher jeder von uns schon mal behauptet. Das Gegenüber hat ja auch erst mal nur eine Behauptung aufgestellt. Was aber, wenn dein Gegenüber sich absolut sicher ist dass du das gesagt hast, und du dir absolut sicher bist das nicht gesagt zu haben. Wer hat nun recht?

Jetzt kommt bei mir was anderes ins Spiel. Ob es an den Medikamenten liegt, die mich mein Leben lang begleiten werden, oder weil ich neuerdings eine genetisch programmierte Tranfunzel bin … interpretieren kann man viel. Aber es ist mehr als ein mal vorgekommen dass mein Gehirn sich Dinge selber zurecht gebaut hat, um eine Erinnerung „aufzuhübschen“. Cool. Vielleicht ist DAS meine persönliche bipolare Form der Halluzinationen. Geil. Oder eben nur ein Schutzmechanismus, ein Selbsterhaltungstrieb, ein übersteigerter DejaVue-Effekt bei Lücken…. tausend und eine These kann man hier aufstellen. Es bleibt aber bei der -Realität-, dass diese Fälle immer wieder auftreten.

Was fängt man damit an? Kann man sich selber noch trauen? Kann man irgendjemandem trauen? Theoretisch müsste ich jedem, der mir Falschaussage unterstellt, blind recht geben. Ja du hast Recht. Ist definitiv wahrscheinlicher als dass ich recht habe.

Selbst meine devoten Tendenzen können das aber nicht blind akzeptieren. Wie lebt man damit? Ich muss mich doch behaupten in dieser Welt. Was wäre ich für ein Bückstück, wenn jeder sofort mitbekäme, dass ich blind alles schlucke (die jugendfreie Interpretation bitte!).

Was soll ich nun tun? Blind unterwürfig kapitulieren? Mir von anderen die Realität diktieren lassen? Oder mich wehren?
Wenn ich mich wehre endet das meist im absoluten Desaster. Gerade eben wieder habe ich meinen Mitbewohner absolut beleidigt, gefrustet und in die Wut getrieben. Dieses blöde Miststück (wobei er mich immer noch in männlicher Form anredet und es wohl nicht mehr so schnell raus kriegen wird), wie kann sie nur so boshaft sein? Bin ich boshaft? Klar, ich wage mich vor anderen zu unterstellen, dass SIE sich irren, obwohl die Wahrscheinlichkeit weit mehr auf meiner Seite liegt. Und dieses mal, wie auch andere Male, bin ich mir absolut sicher dass ich nicht falsch liege. Doch mein Gegenüber denkt genauso über sich selbst. Was wäre richtig gewesen? Kuschen? Auch wenn das innere Ich das gerade als Unterwerfung einer falschen Realität empfindet? Oder sich behaupten, egal wohin das führt? Naja, nach diesem Intro hier kann man sich ja denken was ich getan habe. Ich habe ihn unsanft darauf hingewiesen dass seine Interpretation der Situation falsch liegt. Und auf die bittere Fangfrage, was er denn davon hätte mir falsche Daten aufzuzwingen, musste ich ihm natürlich auch noch vorwerfen, dass er wohl eine erhabene Mentor-Rolle genießt. Unbewusst sicher, aber… egal, über die beleidigenden Details des Gespräch muss ich gar nicht erst weiter ausführen. Ich war ein Biest nach Strich und Faden. Und nun weiß ich nicht, ob mein Mitbewohner nur noch ein Mitbewohner, oder noch mein Freund ist. Große Arbeit, Rebecca, kleine Fettnäpfchen sind so gar nicht dein Stil, oder?

Doch was nun? Flennend unterwürfig entschuldigen? So wie immer? Und dennoch keine Besserung anbieten können, weil ich nicht WEIß, dass das nie wieder geschehen wird? Oder stur bleiben und auf die Freundschaft grinsend pinkeln?? Irgendwie gibt es hier kein Richtig. Ich habe Probleme, die nicht mit Schwarz-Weiß-Denken gelöst werden können. Und leider sehe ich zu vieles in dieser Welt schwarzweiß. Somit überfordert mich das Thema vollkommen. Nein, ich will jetzt kein Beileid oder sowas, ist nur eine erste Sichtweise meinerseits.

Was zum Geier soll ich tun? Bei allen anderen Menschen könnte ich die Distanz etwas erhöhen und thematisch den Ball flacher halten. Aber im eigenen Heim ist das schier unmöglich. Wir führen keine 08/15-WG, sondern eben eine sehr nahe, kumpelhafte Symbiose. Und in der stolpert jeder unausweichlich über die schmutzige Wäsche des anderen. Das lässt sich nicht einfach vermeiden.

Ich möchte kein Miststück sein. Ich möchte freundlich sein, sympatisch, aber irgendwie trage ich ein paar Ruinen und Charakterzüge mit mir herum, die meine innere Natur davon wegtreiben – immer wieder aufs Neue.

Meine noch-Ehefrau ist enttäuscht, verbittert, und versucht mir das Leben zur Hölle zu machen und mich ausbluten zu lassen – mit Vorwürfen der Unmündigkeit, Trennung von meiner Tochter, dem Versuch einer Härtefallscheidung (äh, OK, dass ich so gemeingefährlich bin wage ich doch ohne jeglichen Zweifel widerlegen zu wollen)… hier ist also schon mal EINE Person, der ich vertraut habe und die mich nun in die Pfanne hauen will, weil ich nicht dem entsprach was sie sich erhofft hat.

Wie viel mehr Menschen in meinem Leben mein Vertrauen gebrochen und mich in die Pfanne gehauen und verarscht haben, möchte ich gar nicht aufzählen. Aber ich hatte eine sorglose Kindheit, und kann mich mal so gar nicht beschweren. Sorgen wurden mir immer irgendwie genommen und ich wurde immer geschützt. Vielleicht ist das der Haken. Ich kenne sowas wie Konsequenzen nicht. Ich erlerne das erst JETZT. Und zwar spät, mit dem Dreschflegel, im Crash-Kurs…

Doch ich komme vom Thema ab. Warum neige ich dazu biestig und ablehnend zu reagieren? Warum traue ich all meinen Mitmenschen, selbst denen, die anderes bewiesen haben, so viel Bosheit zu???

Liegt es vielleicht daran, dass ich mir meines eigenen Potentials an Bosheit in meinem Leben inzwischen bewusst geworden bin? Doch wann fing das an? Ich war als Kind total konfliktscheu. Ich habe nie eine Schlägerei gewonnen, war nicht manipulativ, immer hilfsbereit. Ich war eine Streberin, zurückgezogen und schüchtern. Irgendwann ließ das nach. Wahrscheinlich war ich einfach nur verflucht neidisch auf alle anderen, denn die hatten (zumindest augenscheinlich) alles, was sie sich wünschten, ich jedoch nicht mal eine Identität. Denn ich war gefangen als Mädchen in einem Jungenkörper, wurde recht schnell gehänselt, und entschied mich dass ich verbergen musste wer ich wirklich war. Mein Leben wurde spätestens ab der sexuellen Reife zur Farce. Ich versuchte es vielen recht zu machen. Meine Eltern lebten mir eine wunderschöne intakte Familie vor. Das wollte ich unbedingt auch haben. Also strebte ich danach. Ich kann nicht behaupten, dass eines meiner Elternteile mehr Vorbild war als der andere. Ich habe schon immer gerne mit meinem Vater am Eigenheim gewerkelt und renoviert, ebenso wie später an Autos. Somit ist klar, dass auch Rebecca immer irgendwie Schrauberin bleiben wird. Macht ja auch nichts, wir sind nicht im Mittelalter. Meine Mutter war mir immer ein Vorbild in Sachen Emotionalität. Nein, so emotional ist sie nun auch wieder nicht. Vielmehr ist es ihre Stärke und die Eleganz, mit der sie ein modernes Frauenbild lebt. Berufsleben, Familie, Eigenheim… sie hatte immer irgendwie alles im Griff. Und wenn sie mal etwas nicht im Griff hatte, dann bekam sie es wieder hin. Das HB-Männchen-Gen stammt definitiv maßgeblich von ihr 😉

Aber egal, ich hatte Idole, ich hatte Ideale, ich hatte Vorlagen – aber ich hab sie nie hinterfragt. Ich habe nie die Frage aufgebracht, was ICH eigentlich will, sondern immer nur interpretiert was man von mir wohl ERWARTET. Und diesen Fehler mache ich heute immer noch, auch wenn ich das gerade aktiv aufbohre – ich interpretiere statt zu fragen, und ich erfülle Erwartungen – und das dann noch mehr schlecht als recht, weil ich das gar nicht kann.

Ich KANN kein Karrieremensch sein, denn meine private Erfüllung ist mir viel zu wichtig. Ich KANN kein guter Ehemann und Vater sein, weil ich tief im Herzen kein Mann bin. Und ich KANN metaphorisch keine Eier in der Hose haben, weil ich nicht das tue wofür ICH eigentlich einstehen könnte. Alles bröckelt. Alles war nur lug und trug. Alles war eine Farce. Und so sind noch viele meiner Verhaltensmuster eine Farce. Doch den Luxus kann ich mir im Moment nicht mehr leisten. Ich muss Baustellen fertig kriegen. Mein Leben ist nur noch ein schlechtes Gewissen und Stress.

Und als Bipolare darf ich mich einfach nicht so einem hohen Stresspegel aussetzen. Das geht nicht mehr. Doch um etwas zu bewegen muss man neue Wege beschreiten, und das ist auch wieder Stress. Also quasi Stress aufbauen, um Stress zu bewältigen. Das ist wie Schulden aufnehmen um welche abzubauen. Die Taktik ist langfristig, aber am aktuellen Stand ändert sich nur maginal etwas. Und was macht man unter Stress am besten? Genau, FEHLER. Das kennt sicher jeder von seiner Arbeit. Doch was, wenn du dir keine Fehler leisten darfst? Was, wenn du schon zu viele gemacht hast, und das Konto an Vergebung nun mal leer ist? Dann stehst du mit dem Arsch an der Wand und musst haufenweise Konsequenzen hinnehmen. Und das ist mein Leben aktuell – eine enger Gang, voller Fettnäpfchen, und manchmal kommst du nicht an einem vorbei. Dann musst du da durch. Dann heißt es meist nur noch „Das Linke oder das Rechte?“. Egal, denn die Welt da draußen interessiert deine Lage und deine Lerngeschwindigkeit nicht. Die verzeiht dir auch nicht mehr als ein mal einen Fehler. Und gerade die Menschen, denen du wichtig bist und die dir helfen wollen, verzeihen dir GAR NICHTS MEHR, damit du es endlich lernst. Und das ist die harte Tour … ich wollte es ja so.

Ich dachte immer, endlich nicht mehr davon zu laufen und sich seinen Dämonen zu stellen wäre der Ausweg aus der harten Tour, aber damit geht die harte Tour erst los. Und ich habe diese Wahl getroffen. Yeah, cool. Weise Entscheidung.

Bereue ich es? Immer mal wieder. Will ich zurück? Auf keinen Fall. Denn jetzt weiß ich dass ich nur davon gelaufen bin, und es kotzt mich an es weiter zu tun. Aber ich hätte nie gedacht dass es nicht die Medikamente oder die OP sind, die mich das Fürchten lehren, sondern die vielen gesellschaftlichen Kleinigkeiten, denen ich bisher entgangen bin.

Warum hatte ich wohl nie lange Freunde? Warum war ich ein Einzelgänger, warum war die Welt immer so furchtbar ungerecht?
Weil ICH es so gewollt habe. Ich habe mir diese Strafe ausgesucht, weil ich nie Vertrauen hatte, dass ich mal irgendwann das richtige tue.

Und nun bin ich eine undankbare, giftneidische, missgünstige Kratzbürste geworden, die endlich frei sein will, und dabei schon erste Leichen hinterlassen hat. Ja, das Opfer steht mir gut. Als Täterin habe ich mich nie gesehen. Doch das bin ich. Ich habe mich selbst gemobbt und vergewaltigt, und nun fange ich an andere dafür zu bestrafen, was ich mir selbst zugefügt habe. Ja, ich bin eine Täterin. Und genau deswegen fällt es mir so schwer anderen zu vertrauen. Weil ich weiß wozu ICH imstande bin. Was, wenn andere das auch sind?

Meine aggressive Art ist aktuell vielmehr Paranoia, dass ich mich verteidigen und behaupten muss, weil der Rest der Welt bestimmt genauso grausam sein kann wie ich zu mir selbst.

Also, mal abgesehen davon dass der Abbau von Baustellen wie unzuzfriedener Ehe, falschem Geschlecht und falschen Zielen wirklich absolut rationell sinnvoll ist, so ist es unumgänglich wichtig dass ich meine Enttäuschung über mich selbst nicht anderen aufbürde, um mich von mir selbst abzulenken. Die Welt ist gar nicht so gemein zu mir. ICH bin gemein zu mir. Und dann gebe ich der Welt die Schuld. Wie einfach.

Tatsächlich schmerzen mich so viele Dinge an meiner Umwelt, weil ich es zulasse und zumeist noch eine Absicht dahinter dichte.
Mein Mitbewohner spricht mich immer noch mit männlichen Pronomen und Vornamen an. Es nervt mich. Ich korrigiere ihn ab und zu möglichst scherzhaft. Er reagiert meist eher gereizt darauf. Geht es ihm wie mir? Fasst er es als Angriff auf? Interpretiert er boshafte Hintergedanken? Ich weiß es nicht.  Ich meine es nur gut, möchte ihm nur helfen, etwas zu trainieren, was ich als sehr schwer anerkennen kann. Eine alltäglich bekannte Person plötzlich anders anzusprechen ist nicht leicht. Ich würde es auch nicht schaffen ab heute „Gabel“ plötzlich „Flugzeugträger“ zu nennen, ohne es noch unzählige Male falsch zu machen. Warum auch immer er gereizt und reserviert reagiert. Ich traue mich nicht zu fragen. Wieder ein Fehler. Schon wieder habe ich Angst zu fragen. Was ist so schlimmes daran zu fragen? Ich weiß es nicht. Wieder ist es wohl einfacher sich als Opfer zu fühlen. Die Welt ist so ungerecht. BUHU! #mimimi

Das Stichwort ist wohl immer wieder: Verantwortung übernehmen.
Aber Verantwortung für was? Dass ich krank bin (also etwas eben, nicht totkrank!)? Dass ich menschliche Fehler habe, so wie andere auch?

Mein Mitbewohner hat KEINE Fehler, die er nicht rechtfertigen kann. Ich kann ihn nicht kritisieren. Und wenn ich es versuche, dann wird er durch Rückfragen herausstellen, dass sein Verhalten angemessen ist und im Zweifelsfall die ganze restliche Welt falsch liegt. Und damit wir uns nicht falsch verstehen – rationell begründet hat er RECHT!

Und im Vergleich dazu habe ich nicht den Bruchteil der Antworten wie ich Fehler habe. Dass ich in jeglichem Disput einfach nur absaufe ist so vorhersehbar, wie dass bei jedem christlichen Gottesdienst mindestens einmal das Wort „Amen“ fallen wird.

Doch ich komme der Akzeptanz meiner Unzulänglichkeiten dem Tempo seiner argumentativen Perfektion nicht hinterher. Also kriege ich Angst. Und Panik. Und fühle mich wie ein kleines Kind. Und fange an panisch um mich zu schlagen, damit MICH niemand trifft. Und das ist als Mittzwanzigerin (hüstel, ja OK, Anfang … Mitte Dreißig. Hmpf.) echt kein akzeptables Verhalten mehr.

Dennoch witzig und amüsant – andere kommen mich 60 noch damit durch, ICH NICHT.

OK, schon wieder alles ungerecht, ich fange schon wieder an. Es ist eine schlechte Ausrede dafür so spärlich erwachsen zu sein.

In mir hockt ein unterdrücktes Mädchen, das einen Mann erfunden hat, um zu überleben. Dass da so manches schief gelaufen ist mag man sich vorstellen. Daher mein Zugeständnis an die Person physikalisch nebenan, die dies möglicherweise später liest:

Dieses „das Mädchen in mir“ da oben im Titel ist kein Scherz. Und ja, ich stelle mich der Tatsache, dass ich noch dringend erwachsen werden muss. Und unser Streit war sinnlos. Weil ich mal wieder nur recht haben wollte dass ich NICHT verrückt bin. Ich habe eben eine Krankheit, und diese noch nicht vollständig akzeptiert. Und Komplexe. Und boshafte Aspekte in mir, derer ich noch Herr(in??) werden will.

Draußen gewittert es übrigens und ich fühle mich scheiße. Mein neues Hobby – SCHEIßE fühlen. Man gewöhnt sich ja an vieles. Nur leider nicht daran. Mal sehen wann ich aus dem Schlamassel mal wieder raus komme.

Bis dahin Küsschen und einen Gruß an alle auf meinem Lebensweg

Ich hasse niemanden von euch, war nicht immer fair und hoffe, dass wir uns irgendwie arrangieren können

 

Rebecca

P.S.: Das „ICH BIN REBECCA“ lass ich ab jetzt weg. Ich muss das nicht mehr rausschreien. Das ist Realität. Meine Realität. Ob ihr das so seht ist mir ziemlich schwuppe. Ich versuche mal zur Abwechslung MIR zu gefallen.

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