Ich bin ein Teil von Gottes Plan…

Ich bin ein Teil von Gottes Plan…

Was zum…? Das wird wahrscheinlich die erste Reaktion von den meisten sein,
Ein Transmädchen spricht über Gott??

Warum nicht? Ich kann euch sogar erklären warum ich solche Worte in den Mund nehme.

Ich war niemals ein(e) Kirchengänger(in). Ich bin der Überzeugung, dass die Dogmatisierung einer übergeordneten, omnipotenten Präsenz absolut kontraproduktiv ist. Wir KÖNNEN gar nicht verstehen was sein Wille und seine Intentionen sind. Wir können nur mutmaßen. Und uns gewiss regelmäßig irren.

Ich habe als Kind und junge Erwachsene häufig mit Gott gesprochen. Nicht in klassischen Gebeten. Aber ich habe um Hilfe gebeten, mich bedankt, und manchmal auch sehr wütend geschimpft. Warum tust du mir so etwas an? Wie kannst du nur so gemein sein?

Heute glaube ich mehr zu sehen.
Was wäre, wenn ich als Mädchen geboren worden wäre? Hätte ich es es je so zu schätzen gewusst, wie wenn sich jetzt noch mein Wunsch erfüllen würde?
Ich wurde mit einem kritischen, aber dadurch auch tendenziell destruktiven Bewusstsein geboren. Ich war als Kind und bin eigentlich immer noch egoistisch, stoisch, leichtsinnig. Als Mädchen hätte ich wahrscheinlich nur Blödsinn verzapft und hätte nie die Chance genutzt über den Tellerrand zu schauen.
In meiner tatsächlichen Lebenssituation habe aus vielen Fehlern gelernt und weiß, wovon ich Abstand nehmen sollte.

Mir wurde gewährt eine Frau zu finden und ein Kind zu zeugen. Das Geschenk des Nachwuchses, das mir verwährt geblieben wäre, wenn ich mich mit 20 schon zu einer „Konvertierung“ entschieden hätte, wurde Realität. Ich habe nun keinen Bedarf mehr mich fortzupflanzen. Eine Unfruchtbarkeit empfinde ich nun, im Gegensatz zu meiner späten Jugend, nicht mehr als Fluch, sondern vielleicht sogar als Segen (*zwinker*). Dennoch habe ich der Gesellschaft Nachwuchs geschenkt. Meine „Pflicht“ (und natürlich auch Freude!) wurde erfüllt.

Als geborene Frau hätte ich vielleicht auch Kinder bekommen. Aber hätte ich auch wie jetzt verstanden welche Ehre und welche Erfahrung das beinhaltet?
Und wäre ich dann glücklich verheiratet mit einem Mann, den ich wertschätze?

Denn nur in meiner jetzigen Position habe ich den enormen Benefit „weiß, was Männer wollen“. OK, das wäre jetzt etwas übertrieben, aber ich kann Männer besser verstehen als andere Frauen. Danke für dieses Geschenk. Diesen Bonus hat eine gebürtige Frau nicht.

Und niemand wird die Existenz als Frau so würdigen und vor allem zuordnen können wie ich. Wertvolle Erfahrungen. Unter Schmerz und Anstrengung erworben, aber dennoch nun ein Geschenk.

Mit 20 hatte ich noch die Erwartungshaltung als Frau gebärfähig sein zu müssen, menstruieren zu können, ALLE Merkmale einer Frau haben zu müssen ohne jeglichen Kompromiss. Das war nicht erfüllbar. Ich war nicht bereit.

Stattdessen erfuhr ich ein Eheleben mit einer Frau, die sich sehnlichst ein Kind wünschte. Es ist vollbracht. Sie ist nun gekränkt und verletzt, aber letzten Endes war es doch ein Geschenk Gottes, dass ich ihr über den Weg lief.

Dass ihr auffiel dass mit mir etwas nicht stimmte, könnte man als Zufall deuten. Oder tatsächlich als Gottes Wille. Ja, wir haben den Eid geleistet „…bis dass der Tod uns scheidet…“. Aber kann Gott keinen Aufhebungsvertrag akzeptieren? Ich bezweifle, dass er so stur ist wie seine selbsternannten Diener. Warum auch? Die Ehe wurde von Menschen erschaffen und eine gemeinsame Absicherung in alten Zeitaltern zu schaffen. Die Zeiten sind vorbei. Wir haben ein Sozialwesen.

Gott hat mich also mehr oder weniger in die heutige Situation geleitet. Ich fühle mich nach wie vor in seiner Hand.

Jetzt könnte ich ihn wieder mit Zorn strafen, dass ich keinen passenden Therapeuten finde, um meinen Wandel endlich ernsthaft zu vollziehen. Aber ich merke parallel, dass ich noch nicht ganz bereit bin. Ich bin unsicher, mein Selbstbild wackelt noch, weil ich mich in der Ehe sehr von mir selbst entfremdet habe. Meine Selbstsicherheit, mich meinen femininen Denkweisen, Verhaltensmustern und Bedürfnissen zu stellen, steht noch auf wackeligen Stelzen. Ich brauche vielleicht auch noch die Zeit für das Finale.

Und ich vertraue darauf, dass Gott mir gestattet, seine Entscheidung zu korrigieren und mich operieren zu lassen. Ich vertraue auf seine Güte, dass er es versteht und erlaubt.
Ich hätte besser damit zurecht kommen und eine andere Lebenspartnerin finden können, doch es war wohl nicht gewollt. Wenn man es im Gesamtbild betrachtet macht es Sinn.

Die zukünftige Rebecca wird Macken haben, vielleicht nicht die Hübscheste sein, und dennoch wird sie dankbar sein für das, was ihr geschenkt wurde. Dankbarer als jede neunmalschlaue Zicke, die gar nicht begreift, wie gut es ihr geht.

Eine lebenslustige, in sich selbst gereifte Rebecca wird zukünftig ihr Umfeld bereichern. Das ist ein Geschenk für sie selbst, und ein Geschenk für die Umwelt. Vielleicht wird sie mal in die Kirche gehen um zu danken. Das kann nur Gottes Wille sein.

Tadelt nach eurem Bedarf, aber ich stehe zu meinem Glauben. Ich glaube nicht an eine Institution. Aber ich glaube an Gott. Er hat einen Plan. Und so langsam fange ich an ihn zu verstehen. Und ich danke dafür, dass er mir so viel Güte zukommen lässt.

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