Szenen einer Scheidung

Szenen einer Scheidung

Tja. Da glaubt man einen Menschen zu kennen. Und wenn es darauf ankommt lernt man die bittere Wahrheit kennen.

Ich war 10 Jahre verheiratet. In letzter Zeit lief nicht immer alles rund. Ich entdeckte meine bipolare Störung. Die phasenweise auftretenden Manien und Depressionen haben mich und meine Familie Kraft gekostet. Aber ich habe mich brav der Diagnose gestellt, mich medikamentös einstellen lassen mit so einigen Nebenwirkungen (Dauermüdigkeit, teilweise Libidoverlust, Magenprobleme, Leber- und Nierenbelastung…), und ich habe über ein Jahr lang Woche für Woche eine Verhaltenstherapie durchgeführt. Diese ist seit Mitte des Jahres abgeschlossen. Meine Therapeutin hat mich mit ruhigem Gewissen wieder zurück in die Welt geschickt, das Leben wieder allein bestreiten zu können.

Ich bin recht stabil und habe so einige Methoden gelernt mich im Zaum zu halten und zu erkennen wann ich Gegenmaßnahmen ergreifen sollte. So weit so gut.

Was mir natürlich „leider“ auch aufgefallen ist sind die diversen Stressfaktoren in meinem Leben. Meine Ehe bestand, seit wir in die Nähe der Eltern meiner (Ex)Frau gezogen sind, in großen Teil daraus meinen Schwiegervater nicht zu enttäuschen. Er war nämlich nie einverstanden mit mir und hatte immer etwas an mir auszusetzen. Und meine Frau hat sich immer gebückt vor ihm und mich formen wollen. Funktionierte ich nicht wie gewünscht wurde ich für krank erklärt. Liebe Leute! Ja, ich war instabil. Aber ich bin es nicht mehr. Ich bin einfach so! Ich bin emotional und launisch, und möchte das Leben singend und hüpfend genießen.

Meine Frau meinte häufig, sie hätte doch so viel ertragen und so viel für mich getan. Auf der einen Seite stimmt das. Es war anstrengend mit mir. Ich danke ihr für die Geduld und Zuwendung. Ganz ehrlich. Doch konnte ich es nicht mehr ertragen immer wieder in eine von Schwiegervater und Frau erdachte Rolle gepresst zu werden.

Seit wir ein Kind haben stand ich an zweiter Stelle. Sie wurde zur „Ich muss vor allen als Supermutter dastehen“-Figur. Ich hatte nie eine Chance. Ich stand ewig in ihrem Schatten. Ich war immer der Anhang, der nicht „funktionierte“. Natürlich nicht. Ich war eben nicht der Dorf-Papa, den man aus mir machen wollte. Es wurde alles spießig und trist. Es gab nur noch die Familie. Es gab kein „wir zwei“ mehr. Das war gestorben. Und somit auch meine Leidenschaft.

Und dank der Verhaltenstherapie habe ich eben auch gelernt Missstände zu analysieren. Verdrängungsmechanismen aus der Kindheit hatte ich bis zum heutigen Tage aufrecht erhalten. Unter anderem hatte ich schon mit 6 darunter gelitten nicht als Mädchen geboren worden zu sein. Als ich jedoch Mädchen spielen wollte wurde ich natürlich von anderen Kindern ausgelacht. Das war prägend. Ich begann mir eine Rolle nach der nächsten zu suchen, die mir halfen, unbemerkt durchs Leben zu kommen. Ich wurde plumper und lässiger. Das war nicht unbedingt männlich, aber zumindest auch nicht mehr weiblich. Und diese Mechanismen haben sich fest verankert bis ich mich selbst belügen konnte. Bis vor kurzem.

Ich bin transsexuell. Beziehungsweise ich habe eine Transidentität, wie man es jetzt nennt. Das sagt schlicht aus, dass ich geistig eine Frau bin, die mit einem männlichen Körper geboren wurde. Und ich kann das nicht mehr. Ich leide darunter. Ich werde den Schritt gehen mich der Demütigung und den Strapazen auszusetzen, mich geschlechtlich angleichen zu lassen. Mit Hormonen und einer OP wenn nötig. Aber das ist noch ein langer Weg.

Bin ich manisch? Bin ich unzurechnungsfähig? Bin ich verrückt? Das alles kann ich inzwischen bewusst mit Nein beantworten. Ich unternehme das erste Mal in meinem Leben etwas gegen die Stressfsaktoren, die mich bisher eingegrenzt haben. Das ist mutiges, aber erwachsenes Handeln. Mache dir selber und anderen nichts vor.

Also habe ich dies im Vertrauen meiner Frau gestanden. Das Ergebnis kann sich jeder denken – das war meiner Frau zu viel. Die Liebe für mich, die sie immer so betonte, die Treue, das „bis dass der Tod uns scheidet“ reichten nicht aus. Sie bat um die Trennung. Ich musste dies akzeptieren. Denn ich wollte ihr nicht weiter schaden.

Warum erzähle ich das alles? Naja, wirke ich wie eine unzurechnungsfähige Wahnsinnige, die schädlich für kleine Kinder ist? Ich sehe das nicht so. Ich würde NIEMALS meiner Tochter schaden.

Da bin ich kurzfristig ausgezogen, um die Situation zu entspannen, flattert ein Brief ihres Anwalts herein. Sie empfände es als Zumutung, mit mir verheiratet zu sein, meine diversen psychischen Erkrankungen seien ja gefährdend für meine Tochter, daher möge ich auf mein Umgangsrecht vorerst verzichten, sonst würde man das Jugendamt kontaktieren…

Sehr geehrte (noch)Ehefrau,

DU bist seit einem halben Jahr aufgrund von Mobbing und Kündigung des bisherigen Arbeitsplatzes und seelischer Überlastung (!) krank geschrieben, während ich arbeite und keinerlei Attest mich in irgendeiner Form für beschränkt handlungsfähig erklärt. Du schaffst es nicht mal mir meine Post nachzureichen über irgend einen Hiwi, behältst alle meine Unterlagen und geistigen Eigentümer ein, redest kein Wort mehr mit mir und verweigerst mir jeglichen Kontakt zu meiner leiblichen Tochter. Und dein Anwalt droht mit Jugendamt und Klagen.

Wir könnten uns einfach an einen Tisch setzen und reden. Doch stattdessen lässt du dich von deinem Vater zur Furie züchten, um einen Rosenkrieg zu beginnen.

Aktuell empfinde ich es auch als Zumutung mit dir noch verheiratet zu sein. Aber Trennungsjahr ist Trennungsjahr. Und ich werde den Teufel tun einer Härtefallscheidung zuzustimmen, indem meine angeblichen psychischen Probleme, die faktisch stabile Charakterzüge sind, gegen mich verwendet werden.

Warum muss unsere Tochter darunter leiden? SIE trifft es. Sie sitzt sicher daheim und denkt sich, Papa habe sie im Stich gelassen. Weil MAMA nicht erwachsen bleiben kann und ihre Enttäuschung auf das Kind entlädt.

Ich bin kein schlechter Umgang für meine Tochter. Ich liebe sie. Ich werde immer für sie da sein. Und ganz gewiss werde ich nicht im Minirock und 2kg Schminke im Gesicht erscheinen oder mich darüber auslassen wie doof doch Mama ist. Denn ich habe Anstand und Respekt. Und ich möchte niemals dass meine Tochter das Gefühl haben soll, sie trage irgend eine Schuld an dem was geschehen ist. Doch offenbar bin ich der einzige Erwachsene in diesem Spiel, der immer noch bereit wäre normal zu reden. Wie dumm von mir. Erwachsen ist wohl bei mir eine andere Definition als bei anderen. Allgemein scheint das wohl zu bedeuten: „Ich hab Anwalt. Ich mach dich platt!“.

Und es sind immer die Kinder, die unter dem lächerlichen Verhalten der Eltern leiden.

Ich kann mich dem jetzt auch nicht mehr entziehen. Denn ich bin mitten im Rosenkrieg. Ohne Spähne kann nicht gehobelt werden. Ich will das alles eigentlich nicht. Aber ich lasse mich nicht dikriminieren und meiner Rechte berauben, damit meine Frau ihren Frust entladen kann. Ja, du bist enttäuscht. Ich bin übrigens auch enttäuscht. Genau jetzt. Waren die letzten 10 Jahre nur so daher gespielt, oder hast du wirklich mal was für mich empfunden? Oder war ich nur der Spender für eine Tochter, die du dir jetzt unter den Nagel reißt? Das Beiwerk für die Scheinehe nach außen, die du so versessen haben wolltest?

Ich sitze jetzt allein in meinem zeitweiligen Zimmer und stelle fest, dass ich keinesfalls mehr zu dir zurück möchte. Denn du hast mir dein wahres Gesicht gezeigt. Behandle meine Tochter gut und treibe keinen Keil zwischen sie und mich! Sonst habe ich keine Wahl als zu kämpfen. Und im Gegensatz zu euch Dorftrampeln kann ich nicht nur Paragraphen googeln – ich kann sie sogar verstehen.

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