GaOP 2, Tag 1

Hallo zusammen.

Ich werde hier nicht noch mal erklären, was GaOP ist, siehe Artikel GaOP 2, Tag 0.

Es zwickt und brennt immer noch alles. Die Opiate sind wohl inzwischen verbrannt, ich bin nicht mehr so überdreht wie gestern. Dafür fühle ich mich ausgeglichener, zumal ich ab heute Abend endlich wieder Hormone zu mir nehmen darf. Endlich raus aus dem Loch. Denn ganz ohne (selber produziere ich ja nichts mehr) war jeder Tag nur noch anstrengend und von Wutausbrüchen und Nervenzusammenbrüchen geprägt. Es ging fast gar nichts mehr. Ab heute Abend kann ich wieder einen Spiegel aufbauen mit „Mädchen aus der Tube“, wie ich es gerne nenne – Gynokadin Gel, also Östrogene zum Einreiben aus einer Pumpflasche. Wird zwar sicher wieder 1-2 Wochen dauern, bis da ein Spiegel aufgebaut ist, aber endlich gehts weiter.

Ansonsten habe ich zwar mehr akute Schmerzen als bei der primären OP letztes Jahr, aber ich fühle mich wacher und tatenlustiger. Ich kann bloggen und twittern. Bei der letzten OP habe ich mich da sehr zurückgehalten, weil ich einfach nur müde und fix und fertig war.

Es ist schon komisch, wie sehr sich seit der ersten OP bereits alles verändert hat. Auch wenn ich vorher schon juristisch Rebecca war und als Mädchen gestylt umher lief, so war die OP doch der maßgebende Faktor in meiner Entwicklung. Niemand sah es, aber ich spürte es. Dieses „endlich korrekt“-Gefühl in der Hose, das sonst ja eigentlich niemand sah. Doch das war egal. Ich strahlte mehr Lebensfreude und mehr Überzeugung aus. Denn warum sollte man meine Weiblichkeit gerechtfertigt anzweifeln? Hallo? Ich habe eine Muschi in der Hose. Alles OK. Von da an war ich Rebecca. Selbst wenn die „Muschi“ noch Macken hatte und äußerlich anatomisch etwas inkorrekt war  – sie war da. Das konnte mir niemand mehr nehmen. So ist die jetzige OP nur ein Upgrade, um gewisse Behinderungen zu beheben. Jetzt ist sie nicht nur da, sondern wird noch hübsch. Zumindest, wenn sie nicht mehr brennt und alles geschwollen ist – hihi.

Somit kann ich allen da draußen, die diesen Weg noch gehen wollen, nur sagen: Sofern der Kopf mitspielt und man seinen Perfektionismus beiseite schieben kann, ist die GaOP definitiv der Schritt, im richtigen Geschlecht anzukommen.
Ich habe mir seit letztem Sommer immer wieder so gerne in den Schritt gefasst und gelächelt. Alles korrekt, so wie es sein soll. Tschakka. Unfassbar, dass die Geschlechtsidentität so sehr verknüpft ist mit dem Organ zwischen den Beinen.

Ich denke, das liegt daran, dass die Bio-Geschlechtlichen immer selbstverständlich die Geschlechtsorgane damit verknüpfen, welchen Geschlecht man dann auch angehört. Und es gehört ja auch ein Stück weit Lifestyle dazu. Ein Penis ist extrovertiert, er gibt, er penetriert. Eine Vagina muss sich öffnen, zulassen, annehmen. Auch wenn die Mentalität der Person das nicht 100% aussagen muss, so ist das prinzipielle Denken und das ausgerichtete Ziel immer daran verknüpft. Und ich bin jetzt eine Vagina. Ich kann stark und selbstbewusst sein, so sehr ich will, am Ende geht es darum, die Instanz zu sein, die erobert oder überzeugt werden muss, denn ich bin das Wesen, das Zulassen und Öffnen muss. Ganz indirekt. Das ist das spezifische Rollenbild, das sich daraus ergibt, ganz subtil, aber präsent. Und mir gefällt diese Rolle. Egal, welche gesellschaftlichen Ungleichheiten man als Frau noch erdulden muss in einer sich stetig wandelnden Welt – man ist eben, was man ist.

Von daher war ich immer schon eine Frau. Ich wollte immer die Trophäe sein, die es zu erlegen gilt. Nicht unbedingt immer physisch, aber eben archetypisch. Ich kann selbstbewusst und selbstständig sein, gehe meinen eigenen Berufsweg, habe alles irgendwie im Griff, aber dennoch möchte ich ein Nest bauen und mich niederlassen. Und da meine Frau (Ehe für alle!!!) auch an einem Nest interessiert ist, gehen wir das jetzt in großen Stolperschritten an. Auch wenn wir da leider geliebte Menschen hinter uns lassen mussten, die diesen Bedarf nicht verstehen. Man kann sich gegen seine Natur wehren wie man will – sie wird dennoch immer wieder durchbrechen. Und es ist schade, wenn die Bedürfnisse einer Person immer gedeckt werden, und die der anderen nicht. Aber egal …

Hallo Welt, ich bin eine Frau, eine Tussi, eine Dame, eine Muschi, eine Diva. Sucht euch was aus. Was bleibt, ist, dass ich eben ein Weibchen bin. Punkt.

Und ich entschuldige mich für die binäre Darstellung der ganzen Sachlage. Ich weiß, dass es nicht nur Männer, Frauen, Transmänner und Transfrauen gibt. Für MICH war es eindeutig, dass ich einfach nur im FALSCHEN Geschlecht leben musste und es jetzt nicht mehr tue. Wie sich das anfühlt, einem jenseits dieser pseudogesellschaftlich-anthropologen Denkweise zweier Geschlechter angehörigen Geschlecht anzugehören, kann ich zu meinem Bedauern überhaupt nicht nachvollziehen. Ich habe jedoch schon vor langem meine Vorurteile gegen kindliche Neugier eingetauscht und könnte mir nichts schöneres vorstellen, als solchen Menschen zu begegnen, um Neues zu lernen.

 

Eure Rebecca

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