Sind wir überempfindlich?

Im Rahmen der jüngsten Medienberichte über Matze Knops Äußerungen zru ersten Transfrau auf dem Playboy-Titel

Referenz: Artikel im Queer

mache ich mir schon Gedanken, ob die ganzen Anschuldigungen gerechtfertigt sind.

Im Kern der Sache geht es um die Frage „Sind wir überempfindlich?

-Wir- deshalb, da auch ich Transgender bin (transsexuell ist veraltet!), und daher mich erdreiste mitzureden.

 

Gehen wir es doch mal ganz nüchtern an. Täglich reißen Comedians, ebenso wie jedes Indiviuum von Zeit zu Zeit, Witze über Randgruppen. Nein, eigentlich ist die Basis jedes Humors das Verlächerlichen einer Situation durch Verallgemeinerung, Verdrehung oder Vereinfachung, um daraus eine groteske Situation abzuleiten. Es werden in diesem Zusammhang ständig Witze gerissen über Zusammenfassungen/Karikaturisierungen von Personengruppen, seien es Frauen, Blondinen, Männer, BMW-Fahrer, Nicht-Deutsche, Busfahrer, Kevins und Chantalles, Politiker, … soll ich wirklich fortfahren?

Jeder gerät einmal in die Position, Teil einer humorisierten Personengruppe zu sein. Das ist unvermeidlich. Und häufig ist es so, dass zum Schaden einer kleinen Gruppe eine größere Gruppe lacht. Wenn also ein Comedian mal keinen witz über Blondinen, sondern über Transfrauen macht, dann ist daran, logisch betrachtet, noch nichts besonderes zu finden. Irgendwer trifft der Spott immer. Ich möchte nicht in Angela Merkels Haut stecken. Was diese arme Frau sich jeden Tag für offenkundige Beleidigungen anhören muss….

Im Rahmen der letzten Jahrhunderte sind wir allerdings eine sensibilisiertere Gesellschaft geworden.

  • Man darf nicht mehr „Fräulein“ sagen, weil es den gesellschaftlichen Wert der Frauen missachtet.
  • Man darf nicht mehr „Neger“ sagen, weil das ein angreifendes, zu verallgemeinerndes Wort mit historischem Hintergrund ist.
  • Ein Kind zu verprügeln, eine Frau zu vergewaltigen, einen Nachbarn zu erschießen und vieles mehr sind Straftaten; Freiheitsberaubung, sexuelle Nötigung, u.v.m.

Wir haben uns entschieden, einen Weg zu gehen, auf dem das Wohl einer bestimmten Gruppe nicht mehr auf Kosten der Menschenrechte anderer basieren darf. Es gibt Menschenrechte.

Wie kann das einhergehen mit Humor? Humor IST Diskriminierung und Verhöhnung.
Dürfen wir jetzt nur noch Witze über Ameisen machen, weil die sich nicht wehren? Wäre das nicht auch wieder unmoralisch und verwerflich?

Doch warum knallt es immer, wenn Transmenschen in den Fokus geraten?
Liebe Comedians und Presse, vielleicht muss man einfach eines verstehen:

Wir sind benachteiligt. Noch immer müssen wir uns allen Normen widersetzen und es durchstehen.
Noch immer erkennt nicht mal unsere Regierung an, dass sie uns gesetzeswidrig behandelt.
Noch immer versteht der 08/15-Bürger auf der Straße gar nicht, was wir eigentlich sind; nämlich keine Transen, die sich gerne komisch anziehen, sondern Menschen, die sich in ihrer Identität falsch und gefangen fühlen.
Auch wenn es nicht ganz so ist, fühlen wir uns überhaupt nicht ernst genommen.

Wir erfahren täglich Getuschel, Ablehnung, Anfeindung, Ausgrenzung. TÄGLICH. Weil es niemand verstehen  will.
Und in diesem Alltagsfrust gefangen reagiert man irgendwann allergisch darauf, wenn auch noch eine Person öffentlichen Interesses zur weiteren Verachtung gewissermaßen aufruft.

Und es macht einen Unterschied, ob ich sage, dass ich als Lesbe Männer im allgemeinen widerlich und nervig finde,
oder ob ich öffentlich mit dem Finger auf Matze Knop zeige und sage: Das da ist ein Arschloch.

Denn hier ist die ganz klare Grenze zwischen freier Meinungsäußerung und Beleidigung.
Und genau diese Grenze muss man als öffentliche Person überschreiten, um einmalig zu sein.
Von daher macht Matze Knop nur seinen Job. Angebot und Nachfrage.

Denn wir leben immer noch in einer Welt, in der betroffene Gruppen, die zu klein sind, eine eigene Lobby zu haben, einfach mit täglicher Anfeindung leben müssen.

 

Fazit:

Ich persönlich kann solchen Personen nicht mal böse sein, denn sie machen wie ich nur ihren Job.
Was mich eigentlich aufregt ist die Tatsache, dass mich eine solch öffentlich getätigte Aussage daran erinnert,
in was für einer ignoranten, überheblichen, respektlosen Welt wir immer noch leben.
Von daher sind wir natürlich überempfindlich.

Auch das einmillionenunderste Gesetz kann den Menschen nicht ändern, der darunter lebt.
Umdenken beginnt nicht auf dem Papier, sondern im Kopf.
Wenn euch interessiert, was Transmenschen sind, dann fragt doch einfach welche.
Denn ob ihr es glaubt oder nicht, wir sind normale Menschen. Mit Menschen kann man reden.
Oder einfach anonym auf deren Blogseiten stöbern. Das ist gratis.

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