Hüh oder Hott?

Nachdem ich mich nun ein wenig abreagiert habe, das Fazit zu den letzten Tagen;

Eine mir nahe stehende Person erhielt Kritik auf ihre Arbeit. Eine nicht inhaltslose, aber sehr derbe Kritik. Und sie reagierte entsprechend demotiviert und traurig. Das erinnerte mich an mein Musikprojekt vor einigen Jahren. Auch ich hatte sehr viel Geld, Zeit und Schweiß investiert, um das, was in mir schlummerte, künstlerisch zu präsentieren. Und was erntete ich? Kritik an der Darbietung. Wer achtet schon auf die Musik selbst? Nein, wenn es in ein Genre passt, wird es damit verglichen, und am Ende gibt es die Kritik, das klänge ja nicht genauso, eher … unkonventionell. Und „unkonventionell“ ist offenbar heutzutage ein Synonym für „du bist anders, also finden wir dich aus Prinzip scheiße“. Unsere moderne Welt des 21Jhd. ist zurückgefallen in Uniformität. Alles muss der Norm entsprechen. Niemand darf aus der Reihe tanzen. Friss Staub und lächle. Die Zeit der Experimente und mutigen Abweichungen ist wohl wieder vorbei. Hier könnte man wunderbar „Another Brick In The Wall“ von Pink Floyd einblenden. Das Musikvideo meine ich selbstverständlich, mit den gesichtslosen Anonymikern, die gemeinsam im Stechschritt in den Fleischwolf laufen. Ja, so sehe ich unsere aktuelle Gesellschaft. Alles, was nicht der Norm entspricht, egal ob fragwürdig oder eigentlich richtig genial, muss verteufelt und beschimpft werden. Igitt, da ist jemand anders. Das würde ich mich nicht trauen. Also DU AUCH NICHT! Gemeinsam wettern und mobben schafft die Sicherheit einer Gruppe, während alleine kämpfen in die Verzweiflung treibt.

Wann beginnen wir endlich, für Neues offen zu sein und uns auf Unbekanntes einzulassen? Vermutlich nie. Die Globalisierung schafft offenbar doch bei den meisten Dumpfbacken ein Bedürfnis zum Rückschritt. In nicht allzu naher Zukunft wird vielleicht tatsächlich der Warpantrieb und das Beamen erfunden. Aber statt uns zu freuen, werden wir dann doch die Erfinder als Hexen verbrennen. Feindlichkeit ist so viel einfacher als Mut zur Veränderung.

Noch vor einer Woche wollte ich ein Buch fertig schreiben.  Es schlummert als Word-Datei vor sich hin. Denn ich müsste es noch 30 Mal korrekturlesen und dann anderen zur Korrektur vorlegen. Und … naja, egal. Es wird wieder durch den Fleischwolf gedreht werden. Wen interessiert der Inhalt? Sobald es Geld kostet, wird man sich über Garamond statt Arial,  die Zeilenhöhe und die Absatzbreite mockieren, den übersehenen Tippfehler auf Seite 31 ankreiden und alles in der Luft zerreißen. Auf solch eine Hexenjagd habe ich definitiv keinen Bock mehr. Jeden Tag werde ich auf der Arbeit gerügt für den einen Fehler, der passiert ist – nicht für die 31 Heldentaten, die ich vollbracht habe. Und das kotzt mich an. Meine Freizeit gehört mir. Ich schreibe mir von der Seele, was ich für richtig halte. Denn es ist MEINE Welt, in der ich schreibe. Ich sehe es nicht ein, dass ein Haufen Hobbylektoren mir das kaputt macht, mit dem simplen Argument, sie seien zahlende Kunden, und hätten ein Recht das Produkt zu bemängeln.

Somit liegt es nahe, dass ich genau die Dosis Ehrgeiz in meine Werke lege, die ich für richtig halte, und sie dann kostenlos anbiete. Denn genau dann kann ich mit Überzeugung sagen:

„Du hast doch gar nichts dafür bezahlt, also sei still!“

Seit zwei Tagen denke ich darüber nach, welche Optionen ich damit verliere. Ansehen, Glaubwürdigkeit, Respekt, ein zweites Einkommen.
Aber dafür erhalte ich: meine Ruhe. Denn „ich werde zu alt für diesen Scheiß“.

Was denkt ihr? Sich dem gemeinen Pöbel stellen, sich in Schulden stürzen mit allem drum und ran, trotzdem kritisiert und enttäuscht werden, dafür aber verkaufen?
Oder lieber genüsslich zurücklehnen und alles verschenken?

Meinungen sind hier sehr erwünscht. Ich brauche Inspiration und Perspektiven.

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