Zuckerbrot ist leider aus…

Wo fange ich an?

Ich denke, mit einer Entschuldigung wäre ein guter Anfang getan.

Ich entschuldige mich für mein wütendes, ausfallendes Verhalten – das ich nicht zum ersten Mal an den Tag lege. Leider. Sollte ich mal wieder jemanden verletzt haben, dann tut es mir leid. Es war ein Reflex, zurück zu schlagen – sehr unschön.

Vielleicht kann ich einmal erläutern, wieso ich derart emotional reagiere.
Ob nun beruflich oder privat, ich lege Herzblut in das, was ich leiste. Es steckt innerhalb meiner Möglichkeiten sehr viel Liebe und Sorgfalt darin. Ich möchte etwas bewirken – sei es, dass ich einem Kunden den Hals aus der Schlinge ziehen will, oder sei es eine Vision, die ich in Musik oder zu Papier bringen will. Ich möchte behaupten, dass ich der Welt durchaus etwas zu bieten habe. Gedanken, Träume, Ideen, Visionen …

Doch das scheint niemand zu sehen. Ich stecke viel Energie und Zeit in meine Träume, um sie euch dann darbieten zu können. Ich bin mit Leib und Seele dabei. Und es landet auch ein Teil von mir, von meiner Seele, in dieser Arbeit. In dieser Beschreibung erkennt sich sicher so mancher von euch wieder. Ich bin nun mal keine lapidare Tippse, die einer Routine folgt. Ich mache etwas mit Leidenschaft oder gar nicht.

Umso mehr ist es wohl für jeden Künstler hart, mit Kritik umzugehen. Vor allem, wenn sie so gar nicht dem Theorem „konstruktiver“ Kritik folgt. Denn eine solche hat einen klaren Aufbau:

  • Beginnen mit mindestens einem positiven Punkt, der Hoffnung macht
  • Dann erst gefolgt von einem negativen Thema
  • Einem Rat, wie den negativen Aspekten begegnet werden könnte (so eine Art hilfreiches Fazit)

In der Praxis schaut das meist anders aus. Die Kritik beschränkt sich gerne auf Schlagworte wie

  • unprofessionell
  • geht gar nicht
  • so macht man das nicht
  • unfähig
  • inkompetent
  • Vollpfosten, ************, ……..

Es gibt kein Zuckerbrot, aber immer schön die Peitsche…

Konstruktivität sucht man dann vergeblich. Ist das noch Kritik? Oder beschimpft und demotiviert man damit nur den Empfänger? Das hat so gar keinen Inhalt und entbehrt jeglicher Handhabe, etwas tatsächlich ändern zu können. Wie ist man „nicht mehr so doof“? Das ist so hilfreich wie eine tote Katze füttern zu wollen. Und das demotiviert. Denn die emotionale Schwingung, man sei nicht gut genug, kommt zustande, aber ebenso die Hilflosigkeit, nicht zu wissen, was zum Geier man denn hätte anders machen können. Der übliche Reflex eines emotional schwingungsfähigen Menschen ist, sich zu ärgern und auf den Absender der oberflächlichen Kritik wütend zu sein. Denn das ist schlicht beleidigend.

Ja, einige könnten jetzt bereits die Hände über dem Kopf zusammen schlagen, was die Becci denn jetzt wieder für Zipperlein hat. Aber ich bin Künstlerin. Meine Kunst ist mein Nachwuchs. Und das können sicher alle Eltern verstehen: Wer mein Kind beleidigt, bekommt Saures. Ich muss es beschützen.

Und so stelle ich sowohl beruflich, als auch ehemals im Musikbusiness und jetzt in der Literatur fest, dass die Form immer höher gewertet wird als der Inhalt. Egal, wie schön, kreativ und unerwartet das Kunstwerk ist – stimmt die Verpackung nicht, ist das Kunstwerk Müll. Fertig.

Und unter diesen Voraussetzungen fehlt es mir an Ehrgeiz, mein Kunstwerk fortzusetzen. Ich bin keine Prostituierte. Ich bin Künstlerin. Die Kreativität meiner Arbeit ist eng verknüpft mit meiner Würde.

Liebe Menschen um mich herum, lernt konstruktiv zu kritisieren. Alles andere ist schlichtweg unhöflich und nicht sozial. Es hilft zumindest nicht dem Empfänger. Vielleicht dem Absender, seinen eigenen Lebensfrust auf andere zu projizieren?

Manchmal sollte vielleicht auch mal der Inhalt zählen, und nicht nur die Einwegverpackung.
Ansonsten nehme ich gerne monetäre Spenden in Millionenhöhe entgegen, um mir Angestellte zuzulegen, die sich um die Verpackung kümmern. Denn meine Premiumleistungen sind bisher gratis gewesen. Wer nichts verdient, kann auch nichts ausgeben. Das geldlose StarTrek-Universum ist noch weit entfernt.

Vielleicht will ich morgen wieder schreiben. Oder auch nie wieder. Das hängt davon ab, ob ich wieder das Gefühl haben werde, dass ich damit auch irgendwem eine Freude machen kann.
Für mich selbst kann ich mir die Produktion sparen. Mein privates Kopfkino braucht kein Papier.

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