Vorausschauend handeln…

…klingt nach einem vernünftigen Entschluss. Aber wie funktioniert das?

Mal ehrlich, wir alle bemühen uns, ein wenig zu bedenken, welche Konsequenzen eine gewünschte Handlung hätte, und treffen dann eine Entscheidung, ob wir diesem Drang folgen.

Soweit so gut. Klingt simpel. Zumindest wenn man nicht ich ist. Tatsächlich scheint mir das immer noch enorme Probleme zu bereiten. Egal was ich anfange und an einem gewissen Punkt richtig erscheint, hat irgendwo dann markante Haken. Und es folgt immer aus irgendeiner Richtung dann die Frage: „Hast du das nicht vorher bedacht?“

Tja, genaugenommen habe ich vorher gedacht. Aber offenbar nicht so, wie es andere tun. Und jedes Mal, wenn man mir dann die offensichlichen Denkfehler vorlegt, dann sind diese auch offensichtlich. Sogar offensichtlich für mich. Die wichtige Frage ist immer wieder:

Wieso habe ich das nicht vorher gesehen?

Welche rosarote Brille habe ich da auf, die ich nicht wahrnehme und nicht absetzen kann? Oder bin ich einfach zu dumm mehr als einen Schritt weiter zu denken? Wo fehlt es? Woran scheitert es?? Oder ist es die unfassbare Weitsicht gewisser anderer Personen, mit der ich mich nicht messen kann? Aus meinem Blickwinkel sehe ich täglich Menschen ähnlich „naiv“ handeln wie mich, also aus Intuition und einem großen Batzen Hoffnung und Optimismus, dass es schon klappen wird. Und wenn es nicht klappt, werden Scherben aufgesammelt, und weiter geht es. Warum also darf ich das nicht? Oder bin ich tatsächlich so viel blauäugiger als andere? Oder ist man ungewöhnlich streng mit mir? Ist es Karma, oder einfach nur soziale Inkompetenz?

Ich werde aus diesem Phänomen nicht schlau. Das einzige, was ich immer wieder vorgelegt bekomme, ist: „Du bist doch nicht dumm! Das hast du doch kommen sehen. Erzähl mir doch nichts!“ und klare Ansagen, wie dreist, blind, naiv o.ä. ich doch mit Absicht sei. Ich will mich nicht als Opfer darstellen, aber kann dieser Planet nicht akzeptieren, dass ich in gewissem sozialem Kontext einfach strohdumm bin? Klar sollte ich hier dringend lernen, aber wenn doch die Realität zeigt, dass ich immer und immer wieder vor die selbe Wand laufe, kann man mich nicht einfach mal so akzeptieren wie ich bin?

Ja, meist will man mir ja eigentlich noch helfen. Aber ein Hund wird niemals Hochdeutsch lernen, und ich werde niemals mehr als einen Schritt voraus denken können. Es ist ein Makel, ein Manko, das mir einfach beharrlich anhaftet. Und mir immer wieder mangelnde Lernbereitschaft vorzulegen, deklariert mich einfach als faul und uneinsichtig.

Danke. Genau hier schmerzt es. Ich könnte es inzwischen tausend mal leichter ertragen einfach als „dumm“ betitelt zu werden, als egoistisch, sturköpfig oder bewusst querulantisch und uneinsichtig.

Es schmerzt, dass man mir Absicht vorwirft. Es schmerzt, dass man mir so viel Boshaftigkeit unterstellt. Ich habe einen sehr spezifischen Intellekt. Und leider beinhaltet dieser keine vollständige kausale Kette zu begreifen, zumindest nicht im sozialen Rahmen. Ich kann lernen 1+1 zusammen zu zählen, wenn es um meine Mitmenschen geht. Ich kann ein wiederholendes Schema erkennen. Aber ich kann Menschen nicht lesen. Ich kann ihre Bedürfnisse und Motivationen nicht zuordnen. Ich stehe vor dem aus meiner Sicht irrationalen Handeln und kann es nicht deuten. So wie sie wohl eher mein Verhalten als irrational empfinden, weil ich offenbar eine andere Sprache spreche. Für mich schlüssige Dinge erscheinen ihnen arrogant oder abwesend, manchmal sogar gekünstelt, und ich verstehe mein gegenüber nicht. Und meine erste Reaktion gegenüber nicht zuzuordnender Handlungen ist – argwohn. Ich werde misstrauisch und gehe in Verteidigungsstellung. Und gerade jetzt, wo ich durch das Niederschreiben dieses Verhaltensmusters mir ja offenbar der Tatsache bewusst bin, kann ich sie nicht durchbrechen. Weil ich das eigentliche Muster nicht verstehe. Ich kann in einer großen IT-Infrastruktur ein abstraktes Muster extrahieren, aber ich bin nicht imstande zu erkennen, ob man mir böses will oder ob man es gut meint. Und ich erkenne nicht, wenn ich trotz Freundlichkeit oder Neugier meinem Gegenüber gerade Arroganz oder Respektlosigkeit signalisiere. Zwischenmenschliche Kommunikation jenseits der Worte (und ab und zu sogar die Worte selbst) sind mir ein Rätsel. Und ich weiß nicht, ob es eine undiagnostizierte Krankheit ist, oder einfach ein ankonditionierter Missstand, ich sehe nur aktuell, dass ich dem nach wie vor hilfslos gegenüber stehe. Hilflos ist das aktuelle Gefühl. Und ich will eigentlich nicht schon wieder die Opferrolle einnehmen (das kann ich leider gut). Aber anders kann ich hier nicht empfinden. Ich laufe immer wieder gegen die selbe Wand und habe das Schema immer noch nicht identifiziert.

Am Ende definiert man mich aber doch auch psychaitrisch und psychologisch als natürlich schwingend, responsiv und sozial empfänglich. Also unauffällig. Was aber nicht ersichtlich ist, ist die Tatsache, dass unter der Oberfläche verdammt viel pasiert. ich empfinde soziale Interaktion als unglaublich anstrengend. Sie ermüdet mich und überfordert mich. Ich hasse Clubs, Diskotheken, große Menschenansammlungen, und erst recht auch kleine Menschengruppen, bei denen ich mich nicht spontan genug geborgen und sicher fühle. Denn hier kommt wohl eine meiner Stärken zum Vorschein; meine Fähigkeit, mit anzupassen und einzufügen. Das meiste, was ich heute an Kompetenz bieten kann, ist nicht akademisch entstanden, sondern intuitiv durch Erfahrung. Ich spüre ob etwas richtig ist oder nicht. Ich sehe rein logische Zusammenhänge also scheinbar doch. Aber im sozialen Umfeld kann ich mich nur so weit anpassen, dass ich eine gewisse Normalität ausstrahle. Ich kann unauffällig wirken. Unter gewisser Anstrengung, die bei zu großem Umfang einbricht. Lesen kann ich meine Mitmenschen jedoch gar nicht. Also vergleiche ich mit bekannten Mustern. Und dank meiner sehr zurückgezogenen Kindheitsentwicklung habe ich da eher negative Erfahrungen. Also ist alles, was mir fremd ist, sicher erst mal negativ. Trügerischerweise. Und das kombiniert mit meinem manisch-eotionalen Optimismus ergibt Chaos. Ich verstehe nichts mehr. Ich kann soziale Konsequenzen für mich und andere dann gar nicht mehr einschätzen. Der Optimismus ist todesmutig und die soziale Unlesbarkeit anderer macht mir Angst. Verängstigter Optimismus? Ja, das klingt wie es tatsächlich geschieht. Augen zu und durch, wird schon schief gehen.

Und ja, hier im Text tauchen schon einige Widersprüche auf – nur soziale Diskrepanzen, und dennoch geht es auch um Lebensplanung und Wirtschaften… also am Ende doch um jedewede Formder selbständigen Lebensführung und Selbstbestimmung. Ich erkenne ein Muster, kann daraus aber keine Schlüsse ziehen. Selbst wenn sie mit einem blinkenden Pfiel gekennzeichnet sind. 50% von mir wollen nicht wahrhaben, dass ich überhaupt Probleme habe, die anderen 50% wollen das Problem sofort beheben. Nur welches??

Egal, es ist zu spät und ich bin eigentlich hundemüde. Und doch zu aufgekratzt einfach schlafen zu können. Kann ich jemals etwas richtig machen? Oder bin ich dazu gar nicht imstande? Und wenn doch, woran zum Geier scheitert es???

Eure wie immer irritierte, zu sehr kritisierende Rebecca

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