Passierschein A38

(Basierend auf einer wahren Geschichte)

So. Nun habe ich also meine geänderte Geburtsurkunde nach nur 12 Monaten in Händen. Eigentlich wollte ich nach der Scheidung noch meinen ursprünglichen Nachnamen zurück erwerben, aber ich dachte mir, mach es nachher, sonst brauchen die für den Beschluss meiner Weiblichkeit noch länger…

So rufe ich also noch mal das Standesamt Frankenthal an. „Was brauche ich denn alles, wenn ich nach einer Scheidung zu meinem Geburtsnamen zurückkehren möchte?“ Die sehr freundliche Dame am anderen Ende klärt mich charmant auf:

  • Personalausweis oder anderes amtliches Dokument
  • Geburtsurkunde
  • Beschluss der Scheidung

Okay, also sammle ich die Unterlagen zusammen und tauche dort auf. „Nein“, erklärt mir die Dame, „das ist fast richtig. Wir benötigen unbedingt die Eheurkunde.“ Was bei mir sofort die Frage aufwirft:

Wie kann ein Richter, der vorher alle Unterlagen einholen und prüfen muss, eine Ehe scheiden, die es nicht gab? Im Scheidungsbeschluss steht sogar die Registereintragung der Ehe, und wo sie statt fand. Also eigentlich alles, das beweist, dass es diese Ehe gegeben haben muss. Aber das ist ja nicht plausibel. Passierschein A38. Unbedingt.

Der Rest sei übrigens ausreichend, so die nette Dame.

Also beantrage ich umständlich im 300km entfernten Örtchen die Eheurkunde. Beglaubigt natürlich. Und da mein Urlaub nun beendet ist, erbitte ich mir an einem Tag einige Stunden später zur Arbeit kommen zu dürfen. Frohen Mutes glaubte ich daran, nun meinen Nachnamen korrigieren und endgültige Ausweise und Korrekturen bestellen zu können. Und frohen Mutes komme ich abermals zum Standesamt Frankenthal. Die nette Dame nimmt alles entgegen und wirkt zufrieden, bittet mich noch kurz draußen Platz zu nehmen. Die Frage, ob der Vorgang tatsächlich sofort gültig würde, bestätigt sie mit einem freudigen „aber natürlich“.

Ich sitze und warte. Dann bittet mich eine andere Dame herein. Nett, aber direkt leicht patzig will sie mich aufklären, dass mein Personalausweis ja nicht aktuell ist. Ich erkläre ihr, dass der Beschluss erst knappe zwei Wochen alt ist. Doch sie erbittet, dass ich mir erst einen aktuellen Ausweis besorge. Ein wenig gereizt erkläre ich ihr: „Das kann jetzt nicht Ihr ernst sein? Wozu soll ich einen Ausweis beantragen, der offenkundig direkt wieder falsch ist? Das kostet doch alles Geld. Mein Geld.“

Etwas pikiert resümiert sie, dass man das auch so probieren könne, aber das müsse ja <Ort der Hochzeit> entscheiden. Hm? Etwas verwirrt bitte ich um Erläuterung. Tatsächlich kann nur der Ort der Eheschließung die Rückkehr zum Geburtsnamen beurkunden. Aha. Wie soll das also heute abgeschlossen sein? Ratet! Gar nicht. Richtig.

Ich warte also jetzt wieder auf Dokumente des Ortes der Eheschließung. Wenn man mir das schon beim ersten Mal mitgeteilt hätte, wäre ein Urlaubstag mit Reise zu diesem Ort um einiges schneller gegangen. 

Warten wir also auf Passierschein A38.

Und nein, dieser Schwachsinn wird praktiziert und ist kein Märchen und keine Übertreibung. Willkommen im Leben einer transidenten Frau. Passive bürokratische Diskriminierung des Systems. Weil einfach bei allem was wir brauchen niemand weiß wie es geht, und so etwas wie Improvisationsgabe und Mitdenken den Ämtern vor Jahrzehnten abtrainiert wurde.

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