§1,1 GG

Hinter diesem allerersten Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland verbirgt sich die höchst subtile Aussage:

„Die Würde des Menschen ist unantastbar.“

Das klingt so kryptisch wie es sinnlos ist. Wie legt man das aus? Ist der Zwang in jeglicher Form nicht schon eine Verletzung der Würde? Du musst zur Schule gehen. Du musst GEZ zahlen, egal ob du diese Sender siehst?

Vielleicht gehen wir hier etwas zu weit, aber was ist Würde?

Wikipedia hat unter anderem folgenden Absatz zu bieten:

  • Verfassungsrechtlich ist nach Art. 1Abs. 1 des Grundgesetzes „die Würde des Menschen ist unantastbar“, sie wird als unveränderliches (vorkonstitutionelles) Grundrecht angesehen und beginnt mit seiner Zeugung (umstritten). Sie ist unmittelbar geltendes Recht, nicht nur eine Absichtserklärung. Die Würde des Menschen ist oberster Wert des Grundgesetzes.[7]Darüber hinaus sollen die allgemeinen Menschenrechte ein würdevolles Dasein sichern. Die Menschenwürde wird somit einerseits zum „tragenden Fundament der Menschenrechte“, andererseits aber auch zu deren höchstem Ziel, wenn auch vielleicht unerreichbaren Ideal. Für Franz Josef Wetzbesteht weltanschauungsneutral (insoweit möglich) „der wahre Gehalt menschlicher Würde in verwirklichten Menschenrechten – einem Leben in körperlicher Unversehrtheit, freiheitlicher Selbstbestimmung und Selbstachtung sowie in sozialer Gerechtigkeit“.[8]


(https://de.m.wikipedia.org/wiki/Würde)

So, und nun? Wenn wir doch einfach mal die Worte „freiheitliche Selbstbestimmung“ nehmen, um in meinem persönlichen Fall mal anzusetzen. Was bedeutet das? Muss ein Gutachter wirklich prüfen, ob ich meine Selbstbestimmung leben darf? Ist dies von der Gunst anderer abhängig? Oder ist Selbstbestimmung nicht eigentlich selbsterklärend, dass ich ein Recht  habe selbst zu bestimmen wer oder was ich bin?

Und weiter im Text. Ist es Selbstbestimmung, wenn man buchstabengetreue Einhaltung von Formalitäten wie jahrelangen Laufzeiten fordert? Also auch wenn die Person eine Sachlage getestet hat und sich an der ursprünglichen Entscheidung nichts ändert? Ist das weitere Fordern einer Laufzeit, die im individuellen Fall eher Qual ist als Nutzen erfüllt, dem Grundgesetz nach noch ein würdevolles Dasein? Sind Zwänge die persönliche Identität und Entfaltung betreffend nicht eigentlich unwürdig?

Tatsächlich kann ich sagen, dass die Erkenntnis einer Transidentität und der damit zu treffenden Entscheidung zwar leidvoll, aber sehr befreiend ist. Doch ab diesem Punkt hat man sich endgültig aus dem bisherigen Lebensweg gelöst. Eine Rückkehr ist eine Farce und fühlt sich zunehmend falsch an. Die Konfrontation mit der alten, nicht  erfolgreich gelebten Identiät ist unangenehm. Es ist eine Bloßstellung und eine Nichtanerkennung einer in vollem Bewusstsein gewählten Selbstbestimmung. Und somit ist ab dem Punkt, an dem es kein zurück mehr gibt, die Forderung nach weiteren Laufzeiten und Beweisen eine Entwürdigung.

Ja ich weiß, ihr da draußen könnt das nicht nachvollziehen. Was stellt die sich so an? Ist doch nur ein bisschen länger warten. Doch für mich ist es als betroffene Person eben ein bisschen mehr als Warten. Ich habe schweren Herzens eine Entscheidung getroffen. Und jetzt werde ich der Möglichkeit beraubt sie umzusetzen. Ich bin in einer neuen Selbstbestimmung angekommen. Aber die Welt da draußen versteht das nicht. Für sie ist eben nicht verständlich, dass es mir weh tut immer noch juristisch relevante Schreiben an meinen alten Namen zu bekommen. Jede Unterschrift auf einem Dokument stellt mich vor Fremden bloß. Es offenbart was ich war, nicht was ich bin. Der allgemeine Mensch sieht diesen Namen und denkt sich „Was für eine Transe/Schwuchtel, der hat sie doch nicht alle!“.

Was hat das mit Würde zu tun? Ich suche keine Aufmerksamkeit! Und ich werde auch in meinem zukünftigen Leben keine große Sonderbarkeit sein. Ich werde eine ganz normale Frau sein, mit ganz typischen Bedürfnissen. Doch wie soll ich mich in dieser Form in der Gesellschaft positionieren, wenn auf meinem Pass Mann steht? Hier wird quasi direkt mit dem Finger auf mich gezeigt: Du bist anders! Ich könnte mir auch gleich ein Schild umhängen:

Freakshow. 24 hours open.

Das ist in meinen Augen eine Verletzung meiner Würde – zu einer Selbstdarstellung gezwungen zu werden, welche man eigentlich nicht möchte. Zu meiner Selbstbestimmung gehört ebenso wie ich mich darstellen möchte. Diese Bestimmung wird mir aberkannt.

Stattdessen laufe ich sage und schreibe 11 Monate einem simplen Schreiben hinterher: „Wir ändern Ihren Personenstandsänderung hiermit auf weiblich.“

11 Monate Warten auf eine Anerkennung einer bereits feststehenden Tatsache. Das nenne ich mal arbeitsfähige Bürokratie. 

Weiterhin wird mein Antrag auf eine geschlechtsangleichende Operation von einem Zahnarzt oder einem Internisten beim MDK geprüft. Wer hat gerade frei ist. Und der fordert irgendwelche Sachen und darf das ablehnen. Selbst wenn eigentlich Therapeuten vom Fach und Sachverständige schon abgewunken haben. Und er beruft sich dann auf Aussagen wie „in der Regel“ und „üblicherweise“ und macht daraus „mindestens“.

Also, wenn nur zugelassene Psychologen nach einer Vorgabe nach den „Standards of care“ überhaupt eine Diagnose über mich stellen dürfen (nicht etwa ich selber oder mein Zahnarzt), warum darf dann ein Zahnarzt dies wiederum ablehnen?? 

Das schützt die Würde so sehr wie einem Bürokaufmann aufzuerlegen meinen Blinddarm zu operieren. Was hat das auch nur mit dem Versuch zu tun, die Würde des Menschen zu schützen? Das ist bürokratische Abwimmelung von Kosten vom feinsten. Wenn es nur darum geht was ich koste, dann bin ich ein laufender Posten und keine menschliche Person mehr – eine mit einem Recht auf Würde.

Nun denn, armseliges Deutschland. Alle Bürger haben Rechte. Aber diese auch zu nutzen blockiert die Bürokratie erfolgreich. Also haben doch nur die mit dem großen Konto und dem teuren Anwalt Rechte. Alle anderen kommen nicht zu ihrem Recht und sind somit eigentlich rechtlos. Peinliche Tatsache für eine Erste-Welt-Land. Wirklich peinlich.

Ich jedenfalls fühle meine Würde mit Füßen getreten und lebe eine für mich unwürdig empfundene Existenz. Und ein „irgendwann mal“ ist ein schwacher Trost. Das dachten Menschen im Mittelalter auf der Folterbank auch … „Irgendwann werde ich vielleicht erlöst“…

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