Die Welt dreht sich einfach immer weiter…

Ja, das ist mein Fazit der letzten Tage.

Ich habe einiges erreicht (Logopädin gefunden, Hormontherapie begonnen), und warte sehnsüchtig auf Donnerstag – meine Anhörung, ob man meinen Antrag auf juristische Weiblichkeit anerkennt. Und es gibt noch so viel zu tun. Die Steine Rollen, aber für einen ordentlichen Steinbruch muss ich noch ein bisschen weiter mit Sprengstoff spielen 😉😉

Und sonst? Der Alltag ist zurückgekehrt. Auf der Arbeit hat zwischenzeitig ein Kollege gekündigt, einem Bekannten ist ein Reifen geplatzt (nichts passiert!), und ein Freund hat mit seiner Freundin Schluss gemacht. Und eine andere Freundin klagt über Beziehungsprobleme. 

Also geschieht um mich herum allerlei, während ich gezwungen bin mich so dermaßen zu fokussieren. Das werden dann zwei oder drei Jahre meines Lebens sein, die ich daran verloren habe mein Recht auf ein zukünftiges Leben zu erhalten. 2-3 Jahre Stress und Kummer für eine Sache, die technisch in einem halben Jahr hätte erledigt sein können. Danke liebes System. Nein, das kann keiner nachvollziehen. Doch auch ihr habt alle eure Probleme. Das Aufgeben einer Beziehung ist ähnlicher Stress. Das glaube ich. Habe ich auch schon hinter mir. Und auch vieles andere ist Stress. Ich erkenne es an. Könnt ihr euch solch eine Achterbahnfahrt der seelischen Strapazen 2-3 Jahre AM STÜCK vorstellen? Ich schon. Ich erlebe es gerade.

Und ich bedaure sehr, dass ich so teilnahmslos wirke. Ich wäre gern Teil eurer Welt, hätte gerne Freunde. Doch ich bin so eingesponnen in dieses Netz der Schikaniererei. Ich habe so verdammt wenig Kapazitäten übrig. Und das schmerzt mich. 

Alltag. Ohne ständige seelische Projekte im Hinterkopf. Das wäre so erfrischend. Mit meinen wenigen Freunden weggehen. Einfach  so. Als ICH. Wie ich sein sollte. Das wäre schön. Aber es gibt noch so viel zu kaschieren. Nein, nicht für andere, für MICH. Damit ich meinen Komplexen entfliehen kann – kurzfristig. Mir ist egal dass ich aktuell aus Frust ein paar Pfunde zu viel habe. Mir ist egal, dass meine Haare immer noch zu kurz sind…

Aber mir ist NICHT egal dass manches an mir noch männlich ist. Behebbare Dinge. DIE sind Basis meiner Komplexe. Aber ich jammere schon wieder. Darum soll s eigentlich nicht gehen.

Denn es geht mir en Umständen entsprechend gerade mal gut. Nur bereitet es mir Kummer, dass es anderen um mich herum nicht gut geht. Und mein Gewissen fragt sich, ob ich nicht mehr hätte tun können, wäre ich nicht so sehr mit mir selbst beschäftigt. Alles um mich herum ist grau in grau. Der Alltag hat viel Reiz verloren, weil ich mich ihm auch nicht ausreichend widmen kann. Vieles ist so unwichtig geworden. Das Erfreuen an den kleinen Dingen im Leben ist so unglaublich schwer geworden, seit ich taub wurde für dir Welt. 

All dir kleinen Gemeinheiten, die ich täglich erdulden muss, können mich gar nicht mehr richtig kränken. Ich habe viel von dem kindlichen Vertrauen in das Gute auf der Welt verloren. Ich bin wohl doch erwachsen geworden. Ich werde immer gegen Diskriminierung und Ausgrenzung kämpfen müssen. Wie schnell man sich doch damit arrangiert. Man stumpft ab. Das wollte ich eigentlich nicht. Ich bin stolz auf meine sensible Seite. Aber die Welt gönnt sie mir nicht. Und ich bin es leid immer wieder zu leiden. Also gibt man auf. Um etwas dazu zu gewinnen muss ich los etwas anderes aufgeben. Schluchz. Lebe wohl, sorgenlose Kindheit. 

Doch vielleicht kann ich das alles wieder erwecken, wenn diese Odyssee vorüber ist. Hoffnung war bisher immer mein Kraftwerk und Beschützer. Hoffnung, ich liebe dich. Willst du mich heiraten? 😉😉

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