Honey don’t push your luck!

Guten Abend liebe kleine, aber treue Leserschaft.

 

Für die Ablehner moderner Anglisierung: „Süße, fordere dein Glück nicht heraus!“

Was will sie uns damit jetzt wieder sagen? Ja, das versuche ich auch gerade in extern verständliche Worte zu verfassen.

Ich bin, wie man ja unlängst lesen kann, sehr offen und eindeutig als Transmädchen unterwergs – auch beruflich und in allen anderen Lebenslagen. Weil ich es nicht mehr aushielt einen Schatten am Leben zu erhalten, aus dem ich inzwischen herausgewachsen bin. Ich rechnete mit einem Spießrutenlauf der Ablehnung und Vorurteile. Tatsächlich blieb dieser eher aus. Die ersten Tage waren sehr befreiend und aufregend, trat man mir doch in den meisten Fällen eher mit großem Lob für diesen mutigen Schritt entgegen. Doch ist der Schleier des Zaubers erst einmal gelüftet, schleicht sich natürlich auch wieder der Alltag ein. Ich merke, dass auch skeptische, verständnislose Blicke auf mir liegen. Man wagt es nicht mich anzupöbeln, immerhin ist es ein berufliches Umfeld, in dem für Belästigung schnell drakonische Strafen blühen. Doch dieses Schweigen und diese Ignoranz ist natürlich spürbar. Wenn man jemandem gegenüber tritt, der einen dann bei weiteren Kollegen wieder als „der Herr XXX“ betitelt, obwohl man ihm mit Handtäschchen und TITTEN gegenübersteht. Ja, das ist schon irgendwie Ignoranz. Aber gut, es ist bedächtiger als ich es befürchtet habe, also… muss ich da durch. Die Zeit wird es irgendwie kitten, wenn ich ENDLICH mal Hormone erhalte und Stück für Stück nicht mehr so als Kerl auffalle, sondern mehr als Frau automatisch durchgehe. Stimmlich aktuell noch eine Katastrophe. Ich werde auch bei Unbekannten am Telefon immer als Herr erraten. Furchtbar. Wir bleiben also bei dem Thema, dass ICH der ganzen Welt etwas beweisen muss, damit sie es akzeptiert.

Aber kommen wir jetzt mal zum eigentlichen Aufhänger dieses Artikels; das Glück herausfordern.

Ja, viele finden es stark und selbstbewusst von mir, mich klar zu outen und zu präsentieren. Und wollen dann hinter mir stehen. Bisher bin ich niemandem in der Firma aufgefallen. Jetzt erhalte ich Facebook-Freundschaftsanfragen aus allen Richtungen. Ja, zumindest werde ich jetzt GESEHEN und falle auch irgendwie scheinbar als spannende Person auf, statt nur als graue Maus. Ich bin einfach ich, und auch wenn das eben nicht allen gefällt, manchen aber schon, ist das eben endlich mal ein klares Statement, eine Identität, und nicht nur Mitläufertum, das in der Masse untergeht.

UND IN ALL DER EUPHORIE … werde ich natürlich übermütig. Ich halte mich für stark und mutig, so wie man es mir auch suggeriert, und glaube an das Gute im Menschen. Das verfolgt mich ja schon ewig. Ich wirke pessimistisch und frustriert, aber ich bin eine wahnsinnige Optimistin. Immer und immer wieder. Nichts kann das endgültig zerstören. In dem Sinne bin ich wirklich stark, ich falle und stehe immer wieder auf.

Doch in meiner Euphorie hielt ich mich für distanziert genug, dass ich einfach mal was probieren wollte und ganz gewiss mit Konsequenzen locker umgehen könne – dem Versuch JETZT in meiner Transitionsphase nach Lebenspartnern die Fühler auszustrecken. Ich hielt es nicht für ertragreich, aber ich wollte jetzt einfach mal wissen wie die „moderne“ Welt auf mich reagiert. Also hab ich mich mal bei ein paar Dating-Apps angemeldet. Ist ja nichts dabei. Und es war zunächst auch eher amüsant. Wie schon vorher mal erwähnt habe ich an einem Abend fünf unaufgeforderte Penisbilder erhalten (lecker, aber… äh, was soll das?), und hätte 35x in EINER Nacht spontanen Sex haben können. Hätte … aber so bin ich ja nicht.

Dummerweise(?) ist mir auch eine Person begegnet, die aus der Masse heraus stach. Wir führten lange, schöne Gespräche, wurden ehrlicher zueinander und erzählten einander viele intimere und persönlichere Dinge, weil es einfach so gut passte. Ich war begeistert. Und gleichzeitig warnte ich mich, nicht zu viel zu erwarten und mit Enttäuschungen rechnen zu müssen. Also bleib locker Rebecca, kann auch schief gehen. Sei dann nicht traurig, ist halt Dating über’s Internet. Das war damals schon der letzte Mist, und wird es heute immer noch sein. Aber naja, blauäugig und dumm hat er mich natürlich doch irgendwie begeistern können. Vor allem – ein ER! Ja, ich wurde durch einen Mann becirct. Es ist also möglich, ich bin also dazu imstande. Wichtige Selbsterkenntnis. Die kann mir keiner mehr nehmen.

Die Realität war aber, dass wir bis zur Verabredung eines Dates kamen, einander unbedingt kennen lernen wollten. Und kurz vor der Absprache des Ortes und des Zeitpunktes … Funkstille. Weg war er. Die ganzen Avancen von einem zum anderen Moment verstummt. Und ich Dummerchen fragte ihn noch besorgt, ob alles in Ordnung sei…ob es zu schnell ginge…ob irgendwas schief gelaufen sei…. NICHTS.

Er hat auch von meinem Blog erfahren. Sollte er das hier also lesen:

Ich werde nicht so tun als wäre mir das egal. DU tust mir weh, weil ich dich an mich heran gelassen habe. Weil ich dir vertraut habe. Und weil du mich jetzt einfach fallen lässt. Wenigstens eine Erklärung bist du mir schuldig! Und wenn es nur ein „ich hab es mir anders überlegt. Lass gut sein.“ ist. Wenigstens das.

Ich bin enttäuscht. Ja, das habe ich nun davon, dass ich mich nach langem Zögern doch geöffnet habe – Zurückweisung. Das ist wohl gerade für mich etwas, was täglich vorkommt, aber wenn es mal ausbliebe, das schönste auf Erden wäre … keine Ablehnung und Zurückweisung. Denn auch ich träume davon begehrt zu werden. Das ist menschlich und normal. Damit zu spielen ist absolut daneben. Und sei es nur durch die Feigheit wenigstens dazu zu stehen dass man einen Menschen, den man entflammt hat, wieder zurückweist.

Sollte ich also aktuell etwas melancholisch erscheinen, so ist es DIESEM HERRN verschuldet, dass ich erneut erkennen darf, dass man, gerade wenn etwas gut zu laufen scheint, sein Glück nicht herausfordern sollte. Oder es tritt zurück. Mit Pfennigabsätzen mitten in den Magen.

Ich bin nun wohl doch eine unterhaltsame Monstrosität wie in einem Zirkus, die man ja mal als Trophäe flachlegen will um bei den Kumpels zu prahlen, aber ernst nehmen werden mich die wenigsten. Das wird ein steiniger Weg. Ich werde wenige Menschen um mich haben. Aber die taugen dann wenigstens was.

Mein Bett bleibt leer, das Herz bleibt kalt, so werde ich einsam, aber alt.

Danke, dass diese Welt immer noch dominiert wird von Arschlöchern, die die Würde ihrer Menschen nicht achten und auf deren Kosten ihr persönliches Vergnügen nähren.

Aber wie ich bereits vorhin erwähnte. Ich falle. Ich stehe wieder auf. Es wird wieder. DU brichst mich nicht.

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