Das Sozialexperiment… oder: Rebecca auf dem Silbertablett

Rebecca mal wieder auf mutiger Offensivtour…

Heute:

Was passiert, wenn man sich in Apps wie Tinder, Lovoo und Badoo anmeldet als Transmädchen?
Zunächst mal: Es gibt nur männlich und weiblich. Andere Geschlechter sind diesen „wir verbinden Menschen“-Plattformen wohl noch unbekannt.
Also geben wir mal eine ehrliche Antwort: weiblich.

Was sieht denn mein Gegenüber von mir? Hm, Name und Bild. Wenn man drauf tippt kann man sogar eine eigens formulierte Beschreibung sehen. OK, setzten wir mal mein Bild ein und beschreiben ganz offen, dass wir transgender sind, aktuell noch biologisch männlich, aber nicht mehr so lange. Und dass wir eigentlich auch nur auf der Suche nach netten Menschen, Bekanntschaften, und vielleicht der Liebe unseres Lebens sind.

Tja, wie funktionieren diese Plattformen eigentlich? So oberflächlich wie möglich. Man blättert durch die Vorschläge der anderen User in der Nähe (man kann immerhin angeben wonach man sucht – auch hier: Männer oder Frauen, manchmal kann man beides ankreuzen), und wischt nach links für „nö danke“ und nach rechts für „lecker“. Man könnte auch erst drauf tippen und das wahnsinnig aussagekräftige Profil durchforsten. Hier sind dann Eingaben ausgewählt wie Raucher/Nichtraucher, Single/Es ist kompliziert, Chat/Freunde/Bekanntschaften, Wohnsituation, … und weniges mehr. Und die Beschreibung, die bei 90% der User nicht gepflegt wurde. Am Ende machen es wohl viele auf die oberflächlichste Art und Weise; durchblättern und anhand eines einzigen Bildes entscheiden, ob man die Person scharf oder doof findet.

Somit Problem Nummer eins: kaum eine(r) hat meine Info gelesen. Und ich wusste gar nicht dass das Passing anhand meines Bildes schon so gut funktioniert. Es beginnt meist mit „Hey Süße“ und geht weiter mit „hast du Bock zu ficken?“. Yoah. Irgendwie klar, oder? Aber es gibt auch welche, die einfach nett kommunizieren wollen.

Alle frage ich kurz freundlich ab, ob sie meine Info gelesen haben und das für sie OK ist. 95% reagieren mit einem „Hä? Oh, hab ich gar nicht gesehen“ und daraufhin schweigen wiederum 95%, die anderen 5 % fragen mich aus und finden das spannend. Manche wollen dann unbedingt Sex mit mir probieren, andere betrachten mich als spannende Kuriosität, aber das ursprüngliche Interesse einer Romanze ist futsch.

Nun, und die 5%, die tatsächlich vorher meine Info gelesen haben, sind auch ulkig. Einer hat tatsächlich ein Fable für Transfrauen und bemüht sich mich um den Finger zu wickeln, und der Rest will unbedingt Nacktbilder, intime Details und schnellen Sex.

Soweit so gut. Oder eben nicht gut. Sehr interessant wie oberflächlich das ganze abläuft. Fast schon zu klischeehaft wie zu erwarten. Ich vermute mal, euch natürlich geborenen Mädels da draußen geht es genauso? Viele indiskrete Sexangebote, und einer ist cooler und unwiderstehlicher als der andere? Ich kann dann noch Schaulustige anbieten.

Mein Bild ist nicht gefaked, aber ich bin natürlich geschminkt und zeige mich von meiner Schokoladenseite. Gut zu wissen, dass entweder das Angebot an Damen in diesen Plattformen zu gering ist, oder ich tatsächlich eine gewisse Attraktivität besitze. Ich gehe jetzt mal überoptimistisch von letzterem aus.

Gut, dass ich über Vorurteile erhaben bin und mir bewusst ist (aus wortwörtlich eigener Erfahrung!), dass es auch sehr viele anständige Männer gibt. Aber diese Repräsentanten sind echt teilweise zutiefst peinlich. Und sie wagen es, nachdem man sie eigentlich auf den Boden der Tatsachen zurück geohrfeigt hat, trotzdem noch nach Whatsapp zu fragen. Klar, ich trau dir nicht und gebe dir aber selbstverständlich noch mehr Möglichkeiten, meine Privatsphäre zu betreten.

Wie gut, dass ich mir sowas insgesamt schon dachte und einfach nur Langeweile hatte. Bis auf 2-3 Personen, denen ich noch auf den Zahn fühle ob sie eigentlich ernsthaftes Interesse haben (ich bezweifle es noch sehr, bin aber neugierig ob und wie sie sich verraten), kann ich also sehr viel abzuhakendes Entertainment auf Talkshow-Niveau resümieren.

 

So, und jetzt mal im ernst: Wie und wo findet man tolerante, weltoffene Menschen? Als Plauderkumpel(inen), zum Ausgehen, und vielleicht sogar mit romantischer Zukunft? Also, und das jetzt noch als unabgeschlossene Transfrau? Ein Fass ohne Boden?

Wir sind ja schließlich auch Menschen, die ihre Gefühle mit sich herum tragen, und eventuell ein ganz normales Leben leben, zu dem auch ein Freundeskreis und eine Partnerschaft zählen könnte/dürfte/sollte.

Ich persönlich würde mich ja inzwischen als „pansexuell“ bezeichnen. Ich interessiere mich für MENSCHEN. Am Ende zählt die zwischenmenschliche Sympathie, und dann ist mir egal ob die Person dann männlich, weiblich, transmännlich/-weiblich, oder einer anderen Geschlechtsform angehört. Wo Zuneigung, da körperliche Wege sich näher zu kommen, wenn gewünscht.
Bin ich damit alleine? Dann gäbe es keinen Begriff dafür.

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