In the shadows…

Wochenende. Rebecca allein in Wien. Naja, allein? Mit fremden Mitarbeitern des Unternehmens, für das ich tätig bin. Und in dem ich offiziell noch „er“ bin. Denn wie im vorhergehenden Post beschrieben ist Phase 2 und 3 noch in Arbeit. Also muss ich wieder Versteck spielen. Und das nun am Wochenende. Wochenenden gehören also ganz klar meinem jetzigen Ich und sind immer sehr befreiend.

Und so kam es dass ich nach der Arbeit mit den „Jungs“ (Chef vom Chef war da, der Abteilungsleiter Wien nebst Gattin, und zwei partylustige Lagerarbeiter) aufbrechen „musste“ (soziale Verpflichtungen…), um zu Abend zu essen und Wien zu erkunden.

Der Eindruck, den ich wohl hinterlassen habe, ist folgender; ist komisch, still, steht nur so dabei.

Ja, das ist absolut korrekt. Denn innerlich ging bei mir eine halbe Welt unter. Ich musste „er“ sein. Doch bin es nicht mehr. Es war Freizeit, also kein Job mehr. Keine mir noch aktuell bekannte Rolle. Eine Farce, die ich nicht mehr gewohnt war. Ich kam mir deplaziert, fremd vor, und fühlte mich in mir selbst unwohl. Und dann kamen da diese blöden Fragen. „Warum hast du eine Tasche dabei?“. „Warum hast du so eine komische Frisur?“.

Orrrrr, ich trage eine Tasche weil Mädchen das so machen! Da ist mein Deo drin, Schlüssel, Geldbeutel, Notjäckchen….. und so weiter!!!
Und meine Frisur ist ein zurückgebürsteter Pagenschnitt, der mir gar nicht mal so schlecht steht. Als Kerl eben jetzt kaschiert!

Natürlich habe ich diese Antworten gedacht, aber nicht ausgesprochen. Ich wollte mich nicht bei den entferntesten Mitarbeitern als erstes outen. Die waren eh nicht so meine Wellenlänge. Und es war fast unerträglich gruselig sie zu belügen und ich war echt einfach nur noch genervt davon, wie sehr ich meine Mitmenschen anlügen muss um „normal“ zu wirken. Das war früher mein Ich. Aber das bin ich nicht mehr. „Er“ ist einfach nicht mehr da. Nicht mehr so, wie es noch vor zwei Jahren funktionierte. Ein Schatten, der mich verfolgt, solange ich meinen Mitmenschen etwas vormache. Und so war dieses Wochenende eine emotionale Achterbahnfahrt, die ich nie wieder erleben möchte. Dabei war Wien eigentlich echt eine schöne Stadt. Nur ICH war nicht dort, sondern eine Lüge, die mir den Hals zuschnürte.

Das Fazit eines solchen Wochenendes kann nur sein: OUTE dich. JETZT! Bring es zu Ende! Dein altes Leben ist vorüber. Es macht keinen Spaß mehr, es erdrückt dich. Es widert dich an. Du musst da jetzt raus.

Somit werde ich Phase 2, das offizielle Outing bei den Kollegen, seeeehr bald durchziehen. Was habe ich noch zu verlieren? Nicht mehr viel ehrlich gesagt. Ich kann nur etwas gewinnen: Authentizität und Lebensfreude. Und Phase 3 bereite ich auch schon vor. Ich hole mir Kleidungstipps bei jedem den ich fassen kann (die arme Freundin meines Mitbewohners), werde nächstes Wochenende meine Eltern besuchen und mit meiner Mama shoppen gehen…

Ich will jetzt endlich, dass das Versteckspiel ein Ende nimmt. Es widert mich an. Ich fühle mich eingeschürt und erwürgt. Mehr als bisher in meinem Leben. Ich habe ja schon Freiheit geschnuppert in der Freizeit. Und das bin ICH. Und das muss jetzt so bleiben.

Vive la transition…

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